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Wenn
Menschen von mir erfahren das ich Betroffene von Kindesmissbrauch
bin, reagieren sie meistens unsicher. Ihr Verhalten
ändert sich mir gegenüber dann meistens. Manche
brechen den Kontakt langsam aber sicher ab. Andere wiederum
behandeln mich wie eine Kranke. Sind super besorgt um
mich und gehen mir damit irgendwann auf die Nerven.
Wieder andere meinen das man jetzt kein Gespräch
mehr mit mir führen kann, ohne das das Thema besprochen
wird. Am liebsten sind mir noch die die fragen wenn
es etwas zu fragen gibt, verstehen wenn ich nicht immer
antworten kann, mich aber ansonsten weiterhin behandeln
wie bisher. Ich habe hier einmal zusammengefasst was
meiner Meinung nach wichtig ist wenn man uns "helfen"
will: |
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| 1.
glaubt uns : |
Glaubt was
man euch erzählt, auch wenn es sich noch so unglaubwürdig
anhört. Das sind keine erfundenen Geschichten. Kein Kind
denkt sich so was aus. Ihr müsst glauben denn es ist die
Wahrheit. Survivor haben sehr feine Antennen für das Empfinden
anderer Leute. Glauben vortäuschen hilft nichts, wir
merken es.
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| 2.
hört zu : |
Wenn man uns
zuhört ohne grosse Zwischenfragen zu stellen ist es einfacher
zu reden. Bis wir reden können vergehen meistens Jahre.
Eine einzige unüberlegte Zwischenfrage kann den Redefluss
für weitere Jahre unterbrechen.
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| 3.
akzeptiert uns : |
Viele die erfahren
das ein Mensch der ihnen nahesteht Opfer von Missbrauch
ist, versuchen denjenigen zu ändern. Versuchen einen "normalen"
Menschen aus ihm zu machen. Das klappt aber nicht. Survivor
lernen aus ihren Erfahrungen. Sie wissen warum sie jetzt
keine Berührung wollen, warum sie jetzt für sich alleine
sein wollen. Sie wissen warum das so ist und nicht anders.
Das ändern zu wollen ist ein zum Scheitern verurteilter
Versuch. Akzeptiert uns so wie wir sind und gebt uns damit
das Gefühl "normal" zu sein.
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| 4.
versteht uns : |
Wir wissen
das es nicht einfach ist mit uns zu leben. Wir wissen das
ein Mensch der nie missbraucht wurde nicht nachfühlen kann
was in uns vorgeht. Aber versucht ein kleines bisschen zu
verstehen warum wir uns so verhalten wie wir es eben tun.
Warum wir gerade noch einen Kuss gegeben haben und in der
nächsten Minute angewidert das Gesicht zur Seite drehen.
Wir wollen euch nicht verletzen, aber wir wollen uns auch
nicht verletzen.
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| 5.
fragt nach : |
Stellt uns
Fragen. Das zeigt uns das ihr euch tatsächlich dafür interessiert.
Aber stellt keine Fragen wie: "Wie oft hat man dich
vergewaltigt?" Wie oft ist egal. Stellt lieber die
Frage: " Wie fühlst du dich wenn du daran denkst wie
du vergewaltigt wurdest?" Es ist ein Riesenunterschied
ob man Details wissen möchte, oder ob man verstehen lernen
möchte.
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| 6.
respektiert : |
Respektiert
bitte unser Verlangen nach ein bisschen Abstand. Umarmungen
können für uns die Hölle sein wenn sie im falschen Moment
eingesetzt werden. Respektiert die Folgen ohne Vorwürfe
zu machen. Wenn wir nachts nicht schlafen möchten weil wir
Alpträume haben dann respektiert das. Es ist so wie es ist. Auch
ohne das wir es immer wieder erklären müssen.
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| 7.
nicht aufdrängen : |
Drängt uns
eure Hilfe nicht auf. Es geht nichts wenn ihr sagt: "
Jetzt bin ich da, habe Zeit, jetzt rede du!" Die Möglichkeit
darüber zu reden, vor allem wenn man das erstemal redet,
ist nur eine ganz kleine Zeitspanne. Die richtige Sekunde
erwischen. Ist diese Sekunde verstrichen ohne das wir anfangen
konnten zu reden, dann ist sie eben vorbei. Über Missbrauch
reden geht nicht auf Knopfdruck.
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| 8.
verzeiht : |
Verzeiht uns
wenn wir launisch sind, wenn wir uns in uns zurückziehen.
Verzeiht uns wenn wir euch wegstoßen. Wir wollen euch nicht
mit Absicht verletzen. Aber wir wollen uns auch nicht
mehr zu etwas zwingen. Wir wollen uns nicht selbst weh tun
müssen damit es euch gut geht.
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| 9.
unterstützt uns : |
Gebt uns eure
Unterstützung wenn wir euch darum bitten. Helft uns Möglichkeiten
zu finden um zu verarbeiten. Egal ob es sich um ein Gespräch,
einen Rückzug, eine Therapie oder sonstiges handelt. Wir
brauchen wie jeder andere Mensch auch das Gefühl beschützt
zu werden.
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| 10.
steht zu uns : |
Verleugnet
uns nicht, schämt euch nicht für uns. Wir sind nicht Schuld,
sind nicht schmutzig. Wir haben niemandem unterstützt das
mit uns zu tun was getan wurde. Wir würden es lieber heute
als morgen vergessen. Es gibt manchmal Situationen
in denen ihr sehr viel Kraft brauchen werdet. Es gibt immer
noch Leute die denken das ein Kind mit 9 Jahren einen erwachsenen
Mann provoziert...
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