Rollenspiel!

 

Rollen spiel ist nicht etwa eine Freizeitbeschäftigung, nein es ist eine Überlebensstrategie. In jungen Jahren wurde ich in einer Rolle gedrängt, die ich nicht erfüllen konnte. Ich wurde zu etwas gemacht, was ich nicht kannte. Von mir wurden Dinge erwartet, die ein kleines Kind nicht so ohne weiteres machen kann.  Für mich war es schwer, all das zu erfüllen.

Ich habe mir immer wieder gewünscht, so zu sein wie andere. Dieses war als Kind wahrlich ein Spiel, doch dieses Spiel hat nie aufgehört. Nicht für mich , und sicherlich auch für viele andere hier.

Wenn ich also irgendjemanden kennen gelernt habe,  wollte ich so sein wie sie. Ich habe stets andere die „sicher“ waren  so bewundert, das ich sie möglichst  kopiert habe. Angefangen habe ich bei meiner Mutter. Ich habe ihre Denkweise angenommen, und habe mich von der Gestik her schon so benommen wie eine Erwachsene. Nicht nur, weil ich damit ihre Liebe haben wollte, nein weil sie von Ihm weg war, dem Täter, meinem Vater.

Ich habe dieses Verhalten im laufe des Jahre nie abgelegt, eigentlich habe ich es erst bemerkt, als ich den Kontakt zu  meine Mutter komplett abbrach.

Ich weiß bis heute nicht genau, wer ich bin. Ich weiß eigentlich nur, wer ich nicht sein will, um keinen Preis.

Ich habe , jeder Person die ich für ideal hielt,  kopiert, habe mich so gegeben , mich so benommen , die Denkweise angenommen, eben kopiert.  Heute habe ich noch immer nicht gelernt, Ich selbst zu sein. Ich weiß nicht was ich wie machen soll, daher mache ich nichts. Ich bin alleine nicht lebensfähig. 

 

Dieses Verhalten bezieht sich auf das persönliche in mir, denn ich habe einen Beruf, den ich gelernt habe, und wirklich beherrsche. Ich bin dort ja eben eine Kollegin, Mitarbeiterin und Verkäuferin.

 

Ich habe auch Kinder, und kann dort mit wenigen Ausnahmen genau sagen was ich möchte , und was nicht. Ich weiß ja wie ich mir meine Mutter immer gewünscht habe, also lebe ich diesen Wunsch aus. Das ist recht anstrengend, weil alles ja auch im Vorfeld bedacht werden muss, keinen Fehler machen ist einer der  wichtigsten Aspekte in diese Rolle.

 

Ich bin Ehefrau, und das schon seit 13 Jahren. Dieses schaffe ich auch irgendwie leicht, denn ich gebe alles, was eine Ehefrau tut, ich lasse alles was eine Ehefrau nicht tun darf. Ich bin so wie ich mir einen Ehemann wünsche.

 

Ich  bin Hausfrau , schon seit meinem 10 Lebensjahr habe ich anfangen müssen dieses zu erlernen. Ich habe diese Rolle nicht zu 100%   erfüllt, weil diese Rolle für mich eine untergeordnete Rolle spielt. Ich erfülle die Vorraussetzungen, die ich glaube an mich gestellt zu werden, ohne je darüber nachgedacht zu haben, ob dies auch mein Wunsch ist. Ich habe mir all das abgeschaut, und erfülle jeder dieser Rolle  fast perfektionistisch  Nur um ja keinen Fehler zu machen.  Dieses ist sehr schwer, und extrem Kräftezehren zugleich. Immer alles geben, immer zu jedermann Zufriedenheit alles tun. Das ist mir derzeit nicht möglich , weil ich jetzt erst mit 35 Jahren angefangen habe mir um die Hautrolle Gedanken zu machen.

 

Der Hauptrolle dem                                                                           ICH    !

Diese Rolle wurde mir nie vermittelt, ich war lediglich darauf dressiert, allen anderen gerecht zu werden, und so zu sein wie man mich haben möchte. Ich habe nie gelebt, lediglich existiert. Heute versuche ich das mit in mein bisheriges Leben einzubauen, doch diese neue Rolle verursacht Chaos. Diese Rolle sprängt meine derzeitige Position. Wenn ich das ICH lernen möchte, muss ich in den anderen die dazu benötigte Kraft abziehen und dort nachlassen.

Was Fehler machen betrifft, wird dieses sehr schwierig, da mir auf ungewöhnliche weise vermittelt wurde, was passiert ,wenn ich Fehler mache.

 

Mein Heutige Situation  vergleiche ich gerne mit DRESSUR,  denn nichts anderes scheint es zu sein. Ich wurde dressiert, Dinge zu tun, und das habe ich , doch diese Dressur in eine Lebenswertes Leben umzugestalten ist derzeit die schwerste Aufgabe, und nicht ohne fremde Hilfe zu schaffen.

Ich habe nie gelernt, auf meine Bedürfnisse zu schauen, ich habe nicht mal gelernt, meinen Hunger angemessen zu stillen, sondern lediglich am Leben zubleiben.

Das hat wenig mit Leben zu tun, sondern mit Existenz, Dasein und / oder Pflichterfüllung.

Genuss und Freude am Leben waren zwar mir bekannte Wörter, doch nicht mir bekannte Verhaltensweisen.

Heute erschrecke ich davor, zu sehen wie schwer das zu erlernen ist. Bei meinen Kindern ist dieses  Normal, denn ich habe dieses Verhalten lediglich auf mich bezogen. Ich weiß wie man das macht, nur eben theoretisch, doch praktisch umzusetzen, das muss ich erlernen.

Für alle anderen scheint es ja auch eine Berechtigung zu geben, diese in Anspruch zu nehmen , leider noch nicht für mich.

 

Heute erlerne ich das normalste von der Welt, das ICH sein. Doch auch dieses erlernen ist mit soviel Angst behaftet, das es  nicht wirklich leicht fällt.

Angst zu haben dem nicht gerecht zu werden ist so übergeordnet, das man erst  richtig  MUT dazu benötigt, auf sich zu „achten“ , um sich „wahrzunehmen“ und sich „lieben „ zu lernen. Dieses Verhalten ist für andere das normalste von der Welt, und schon anerzogen, doch für mich und viele Betroffene das wohl schwierigste zu bewältigen, was  man sich denken kann.

Denn ich habe eine andere Art „Normalität“ kennen gelernt , und heute vermag ich diese  nur sehr schwer wieder abzulegen.

 

© by Conny (geschrieben 2003)