-

Vorwort:

Was gesagt werden muss

 

Missbrauch:

Es geschieht immer wieder

 

Trauer:

Verletzte Gefühle

 

Wut:

Gegen dich, gegen mich, gegen euch

 

Hoffnung: 

Licht am Ende des Tunnels

 

Träume:

Hoffen und bewältigen

 

Leben:

Der Blick nach vorn

 

Sinn:

Die Frage nach dem Warum

 

Geschichten:

Ich schreibe darüber

Geschichten: Ich schreibe darüber...

 Ein kleines Mädchen

Es war einmal ein kleines Mädchen, das saß in einem Boot. Es glitt so über den See und freute sich über die schöne Umgebung, die Vögel, die Natur und über das Leben.
Aber irgendetwas fehlte dem kleinen Mädchen und das war Liebe. Irgendwo musste doch auch Liebe sein, sie sehnte sich so danach. Es saßen noch mehr Menschen im Boot, aber niemand hatte Zeit für sie. Oder doch? Doch einer war da und der hatte auch Liebe für sie. Endlich!!
Doch irgendetwas stimmte nicht an der Liebe, sie riss ein Loch in ihr Boot. Wasser drang ein und sie suchte sich eine Tasse und fing an das Wasser rauszuschöpfen, damit das Boot nicht unterging. Aber das Wasser drang schnell ein und sie war nur noch mit dem Schöpfen beschäftigt. Sie gewöhnte sich daran und vergaß darüber das Loch in ihrem Boot.
Als das Mädchen größer wurde versuchte sie das Wasser immer so unter dem Rand zu halten, dass es nicht unterging. Manchmal schaffte sie es ihre Tasse gegen ein etwas größeres Gefäß auszutauschen.
Über die Jahre kamen Menschen in ihr Boot. Meistens Männer die so taten, als wenn sie ihr beim Wasserschaufeln helfen wollten. Aber irgendwann ruhten sich die Männer aus und sie merkte, dass sie durch das zusätzliche Gewicht noch mehr zu tun hatte um nicht unterzugehen.
Sie wollte gerne Kinder haben und bekam drei süße Mädchen. Aber durch das ganze Wasserschaufeln fand sie keine Möglichkeiten für ihre Kinder so richtig dazusein und sie wollte sie doch lieben und ihnen alles geben. Das brachte sie fast zur Verzweiflung. Sie fing an sich zu fragen, wo das ganze Wasser nur ständig herkam und das Boot immer fast zum Untergehen brachte. Sie fing an, an sich zu arbeiten. Fand immer bessere Techniken zum
Wasserschöpfen und fühlte, wie es am besten ging. Kurz sie wurde perfekt im Wasserschöpfen.
Gleichzeitig bemerkte sie, dass andere Menschen in ihr Boot kamen. Die kein Gewicht mitbrachten, aber immer ein kleines Gefäß und sie halfen ihr das Wasser zu bewältigen und wenn sie nicht mehr konnte, hielten diese Menschen das Boot über Wasser.
Sie lernte, Menschen, die zusätzliches Gewicht ins Boot brachten einfach über Bord zu schmeißen. Als sie den letzten Menschen, den sie über alles liebte, aus dem Boot schmiss, beschloss sie, keinen mehr hereinzulassen der das Boot auch nur einen Zentimeter runterdrückte.
Fast im selben Augenblick kam ein Mensch zu ihr ins Boot, der brachte einen kleinen Eimer mit und fing an zu schöpfen, weil sie es ihm wert war. Beide fingen an gemeinsam zu schöpfen, immer schneller. Der Grund kam immer näher.
Und dann sah sie es! Das Loch!
Sie war entsetzt, gelähmt. Der Schmerz fegte über sie hinweg, kehrte um und zerriss sie fast. Sie erkannte wer das Loch dort reingeschlagen hat. Sie fragte Warum?? Aber sie gaben ihr keine Antwort, sondern rissen weiter an dem Loch, wollten es größer machen.
Mit letzter Verzweiflung schmiss sie auch diese Menschen aus dem Boot. Es war ihre Familie. Dann sah sie sich den Schaden an. Es war schrecklich, das Loch war so groß!
Würde sie es jemals zumachen können. Sie würde! Sie fing an es zu reparieren.
Es war Knochenarbeit. Aber es schwammen immer Dinge auf ihr Boot zu, die sie gebrauchen konnte. Und es waren Menschen da die ihr die Dinge reichten. Irgendwann hatte sie es geschafft und um sicher zu gehen verstärkte sie ihr Boot. Sie umhüllte es mit Liebe, weil sie wusste, dass keiner der das Boot wieder kaputtmachen wollte, durch diese Liebe hindurchging. Davor hatten sie nämlich Angst.
Dann endlich legte sie sich zurück. Sie spürte die Sonne auf ihrer Haut. Sie hörte die Vögel zwitschern. Endlich! Ein Gefühl des Friedens erfüllte sie.
Nach einer ganzen Weile richtete sie sich wieder auf und sah sich um. Sie sah die Bäume am Ufer, die Tiere, die Fische im Wasser. Sie freute sich, dass sie das jetzt endlich sehen konnte.
Dann sah sie eine kleine Insel, die wunderschön war. Da wollte sie hin.
Ihr fiel ein, dass sie ja noch in einem Boot saß und fing an zu rudern. Sie erreicht die Insel und stieg aus. Sie spürte festen Boden unter den Füßen und war überwältigt. Sie hätte nie gedacht, dass es so ein schönes Gefühl ist Boden unter den Füßen zu spüren.
Sie war glücklich.
Sie sah sich noch mal um und sah das Wasser an. Sie wusste irgendwann wird sie auch davor keine Angst mehr haben. Irgendwann wird sie mit diesem Wasser herumspritzen, lachen und in ihm Herumtollen. Aber noch nicht. Sie wollte jetzt erst mal gucken, was auf der Insel ist und vor allem den Menschen danken, die immer noch bei ihr waren und die an sie geglaubt hatten. Und... ihre Kinder in die Arme schließen. Endlich!

 

  Die kleine Blume

Als sie eine kleine Blume war, sagten ihr all die anderen großen Blumen neben ihr "Schau kleine Blume, da ist die Sonne, öffne alle Blätter, sie gibt dir Wärme und Kraft."
Und die kleine Blume glaubte den anderen und öffnete ihre Blätter. Auf einmal traf sie aber ein dicker Regentropfen mitten in ihr kleines Herz. Das tat der kleinen Blume sehr weh. Schnell verschloss sie ihre Blätter und ließ die andern Sonnentropfen über sich ergehen. So war es wenigstens auszuhalten. Als die Sonne nicht mehr tropfte erzählte sie den anderen Blumen von ihrem Erlebnis. Aber niemand wollte ihr glauben. Sie sagten:" Du stehst auf einer so tollen Wiese und die Sonne kümmert sich um dich. Erzähl keinen Blödsinn, du undankbares Ding."
Die kleine Blume war verunsichert und versuchte wieder der Sonne Vertrauen zu schenken und öffnete wieder ihre Blätter. Das tat sie noch oft, aber fast genauso oft wurde sie wieder von der Sonne verletzt. Sie fühlte sich fortan nicht mehr auf ihrer Wiese wohl. Zu den anderen Blumen sagte sie deshalb aber nichts mehr, da sie es nicht verstehen könnten. So wuchs die kleine Blume verschüchtert, ängstlich und verschlossen auf.

Als sie eine große Blume geworden war suchte sie sich eine neue Wiese. Sie fand dort neue liebe Blumen, die alle die Sonne genossen. Doch auch dort konnte sie ihre Angst vor der Sonne nicht ablegen. Immer noch fällt es ihr schwer, der Sonne zu vertrauen. Lieber lässt sie ihre Blätter verschlossen, dann fühlt sie sich sicher.
Doch die Blume weiß, dass sie es eines Tages schaffen muss sich zu öffnen, da ansonsten ihre Blätter verwelken werden. Ein bis zwei Blätter sind schon etwas dunkel verfärbt, viel Zeit bleibt ihr also nicht mehr...

Das kleine Nein

Das kleine Nein sitzt auf einer Bank im Park und isst Schokolade. Es ist wirklich sehr klein, richtig winzig und ganz leise. Da kommt eine große, dicke Frau und fragt: "Darf ich mich zu dir setzen?" Das kleine Nein flüstert leise: "Nein, ich möchte lieber allein sitzen." Die große dicke Frau hört nicht hin und setzt sich auf die Bank.

Da kommt ein Junge angerannt und fragt: "Darf ich deine Schokolade haben?" Das kleine Nein flüstert wieder: "Nein, ich möchte sie gerne selber essen." Aber der Junge hört nicht hin, nimmt dem kleinen Nein die Schokolade weg und beginnt, sie zu essen.
Da kommt ein Mann vorbei, den das kleine Nein schon oft im Park gesehen hat und sagt: "Hallo, Kleine. Du siehst nett aus, darf ich dir einen Kuss geben?" Das kleine Nein flüstert zum dritten Mal: "Nein. Ich will keinen Kuss!" Aber auch der Mann scheint nicht mehr zu verstehen, geht auf das kleine Nein zu und macht schon  einen Kussmund.
Nun verliert das kleine Nein aber endgültig die Geduld. Es steht auf, reckt sich in die Höhe und schreit aus vollem Hals: "Neiiin!" Und noch mal: "Nein, Nein, Nein! Ich will allein auf meiner Bank sitzen, ich will meine Schokolade selbst essen, und ich will nicht geküsst werden. Lasst mich sofort in Ruhe" Die große, dicke Frau, der Junge und der Mann machen große Augen: "Warum hast du das nicht gleich gesagt!" und gehen ihrer Wege.
Und wer sitzt jetzt auf der Bank? Nein, nicht ein kleines Nein, sondern ein großes Nein. Es ist groß, stark und laut, und es denkt: "So ist das also. Wenn man immer leise und schüchtern Nein sagt, hören die Leute nicht hin. Man muss schon laut und deutlich Nein sagen."
So ist aus dem kleinen Nein ein großes
Nein geworden.