 |
Sexueller
Missbrauch - ein zusätzliches Problem an unseren Schulen
Neben
vermehrtem Gewaltaufkommen, Drogen, Rechtsextremismus und
bedenklichen Medienkonsum ist sexueller Missbrauch eine weitere
Herausforderung, die an Schulen thematisiert wird. Da unsere
heutige Gesellschaft oftmals keinen geeigneten Rahmen zur
Erkennung der Lösung dieser Probleme bietet, werden diese
immer mehr zur Öffentlichkeitsdebatte und vermehren die
vielfältigen Anforderungen an Lehrer zunehmend. Um diesen
Ansprüchen gerecht werden zu können hat Chapeau
Claque das theaterpädagogische Stück "Hau ab!"
entwickelt, das seit Mitte Februar diesen Jahres an verschiedenen
Schulen in Bayern erfolgreich dargeboten wird. Damit liefert
Chapeau Claque einen Vorschlag als möglichen Interventionssatz
für dieses Thema.
|
| Inhaltsangabe
(zusammengefasst von Katja) |
Etwa 60 Kinder
im Alter von ca 8 Jahren starren gespannt Richtung Tafel, wo heute
nicht die Lehrerin steht, sondern Dirk und Evi vom dem Verein Chapeau
Claque, um mit ihrem interaktiven Theaterstück "Hau ab!" den Kindern
zu vermitteln, wie sie sich in kritischen Situationen, in denen
ihnen jemand zu nah kommt verhalten sollen. Das Equipment der beiden
beschränkt sich auf einfache Requisiten. Das Stück beginnt. Für
Annemarie (gespielt von Evi) beginnt ein typischer Schultag. Der
Wecker klingelt, Annemarie steht auf und setzte sich zu ihrem Vater
(gespielt von Dirk) an den Tisch. Nach einer kurzen Unterhaltung
am Frühstückstisch, die auch immer wieder aufgelockert wird durch
lustige Einlagen, die die Kinder mit ausgelassenem Lachen quittieren,
macht sich Annemarie auf den Schulweg. Nach ein paar Schritten kommt
ihr ein Mann entgegen (Dirk), der stark hinkt, wenig vertrauenserweckend
aussieht und sie undeutlich nuschelnd nach dem Weg fragt. Mit einer
Handbewegung und einem lauten 'Stop!' unterbricht Evi das Theaterstück
und wendet sich fragend an die Kinder. "Hm, was meint ihr, soll
ich dem den Weg sagen?" Die Kinder sind unterschiedlicher Meinung.
Die einen rufen "Ja" die anderen rufen "Nein". Evi ruft die Kinder
einzeln auf. "Würdest Du dem Mann den Weg sagen?" Das aufgerufene
Kind schüttelt den Kopf. "Und was würdest Du machen?" "Ich würde
einfach weiter gehen". Evi fordert das Kind auf nach vorne zu kommen
und seine Antwort zu spielen. Auf diese Art und Weise darf jede
neue Möglichkeit zu reagieren von den Kindern selbst dargestellt
werden.
Durch wiederholtes
Nachfragen und kindgerechte Erklärungen vermitteln Dirk und Evi
den Kindern in diesem Fall, dass nicht alle Fremden böse sein müssen
und man in so einem Fall ruhig den Weg sagen kann, wenn auch mit
dem nötigen Sicherheitsabstand.
Das Stück geht
weiter, Annemarie ist schließlich mit der Schule fertig und auf
dem Nachhauseweg. Und wieder stellt sich ihr ein Mann (Dirk) in
den Weg, dieses Mal mit eindeutigen Absichten. Er versucht Annemarie
zu überreden, mit ihm ins Auto zu steigen, bedrängt sie immer mehr
und berührt sie schließlich auch. Wieder unterbricht Evi an dieser
Stelle mit einer Handbewegung und einem lauten 'Stop!' das Stück
und wendet sich an die Kinder. "Was meint ihr, soll ich zu dem ins
Auto steigen?" Dieses Mal sind sich die Kinder einig. "Nein!" ertönt
es einstimmig im Chor. "Und was würdet ihr machen?" Die Finger schnellen
nach oben. Weglaufen, den Mann hauen, den Mann anschreien, Passanten
aufmerksam machen, in eine nahe gelegenes Geschäft laufen, sich
verstecken, per Handy die Polizei anrufen. Nacheinander werden die
Kinder nach vorne gerufen um ihren Vorschlag zu spielen. Dabei merken
sie, dass der eine oder andere Vorschlag sich gar nicht so leicht
in die Tat umsetzen lässt, wie sie gedacht haben. Zusammen mit den
Kindern erarbeiten Dirk und Evi durch Ausprobieren Verhaltensweisen,
die in so einem Fall auch tatsächlich funktionieren. Zusätzlich
werden den Kindern an dieser Stelle ein paar effektive Schlagtechniken
gezeigt, nicht ohne die ernsthafte Warnung, diese auch wirklich
nur im absoluten Notfall anzuwenden.
Und weiter geht's
im Stück. Annemarie kommt nach Hause und erzählt ihrem Vater was
ihr unterwegs passiert ist. Dieser erklärt ihr an dieser Stelle
noch einmal zusammenfassend, wie sie sich in so einer Situation
verhalten soll (dabei wiederholt er genau das, was zuvor mit den
Kindern an Verhaltensstrategien erarbeitet wurde und zeigt Annemarie
auch noch einmal die wichtigsten Schlagtechniken). Meiner Meinung
nach eine besonders gelungene Art, den Kindern das erarbeitete Wissen
noch einmal zu verdeutlichen. Während Annemarie den Tisch deckt,
bittet ihr Vater sie, einen weiteren Teller auf den Tisch zu stellen,
da Onkel Heinz heute auch zum Essen kommt. Annemarie verzieht das
Gesicht und wendet sich wieder an die Kinder. Den Onkel Heinz möge
sie gar nicht, erklärt sie. Zwar fände sie es toll, dass er immer
so schöne Geschenke mitbringt, aber dafür würde er auch immer so
komische Sachen von ihr verlangen und sich überhaupt sehr seltsam
benehmen.
"Aber seht
selbst" schließt sie ihre Erklärungen ab und wendet sich zu Onkel
Heinz (Dirk), der mittlerweile auf dem provisorischen Sofa sitzt.
Onkel Heinz begrüßt Annemarie leutselig und fordert sie gleich auf,
sich auf seinen Schoß zu setzen. Annemarie folgt seiner Aufforderung
widerstrebend. Onkel Heinz zieht zwei Kinokarten aus seiner Jacke
und hält sie Annemarie lockend vor die Nase. "Na? Willst Du die
Kinokarten haben?" Annemarie nickt begeistert. "Dafür bekommt der
Onkel Heinz aber ein Küsschen" und er hält ihr auffordernd die Wange
hin. Evi unterbricht erneut mit einer Handbewegung und einem lauten
'Stop!' das Spiel und wendet sich wieder an die Kinder. "Was meint
ihr? Soll ich dem ein Küsschen geben?" Die meisten Kinder rufen
"Ja!". Man merkt, sie haben die Situation noch nicht ganz begriffen.
Evi fragt noch einmal nach, dieses Mal mit dem Hinweis, dass sie
den aber gar nicht küssen mag. Die Kinder halten trotzdem an ihrer
Meinung fest.
Also setzen
Evi und Dirk das Stück fort. Annemarie gibt Onkel Heinz ein Küsschen
auf die Wange, worauf dieser anfängt, Annemarie massiv zu bedrängen.
Er tätschelt ihr die Oberschenkel, haut ihr auf den Hintern, legt
den Arm um sie und beginnt anzügliche Bemerkungen zu machen. Mit
einem lauten 'Stop!' unterbricht Evi erneut das Spiel und wendet
sich wieder den Kindern zu. "Jetzt reicht es aber, der hört ja gar
nicht mehr auf", ruft sie empört aus. "Was soll ich denn jetzt machen?"
Eifrig fahren die Finger in die Höhe, die Kinder haben begriffen,
dass es hier nicht um ein harmloses Küsschen geht. Vorschläge kommen:
die Kinokarten nicht nehmen, sich woanders hinsetzen, weglaufen,
den Onkel hauen, den Onkel anschreien, nach der Mutter rufen. Auch
dieses Mal werden die Kinder einzeln nach vorne gerufen um ihren
Vorschlag zu spielen. Und wieder zeigt sich, dass sich nicht alle
Vorschläge (z.B. dem Onkel einfach sagen, er soll aufhören) immer
funktionieren. An dieser Stelle wird auch eine sehr positive Mutterfigur
ins Spiel gebracht, die auf die Rufe des Kindes auch sofort herbeigeeilt
kommt und Onkel Heinz ordentlich die Leviten liest.
Mit Sicherheit
leider nicht immer die Realität, aber so wird den Kindern zumindest
gezeigt, welches Verhalten sie von ihren Eltern in so einem Fall
erwarten könnten. Das Stück kommt zum Ende. Mit Hilfe der erarbeiteten
Strategien konnte die Situation mit Onkel Heinz gemeistert werden
und für Annemarie geht der Tag zuende. Das Stück schließt ab mit
einem Gespräch zwischen Vater und Tochter. Annemarie erzählt dem
Vater von Onkel Heinz und erhält auch hier wieder zusammenfassend
was zusammen mit den Kindern an Strategien erarbeitet wurde. Außerdem
erklärt ihr der Vater an wen sich Kinder wenden können, deren Eltern
nicht bereit sind ihnen Glauben zu schenken. Am Ende tritt Dirk
noch einmal vor die Kinder mit der aktuellen für diese Stadt zuständige
Notrufnummer, die er später den Lehrern geben wird, damit diese
sie im Klassenzimmer aushängen können. Abschließend werden die Kinder
auch noch einmal gefragt, ob sie auch schon solche Situationen erlebt
haben, wie im Stück beschrieben. Immer gibt es Kinder, die bereits
ähnliches erlebt haben, wenn auch nicht im engeren Familienkreis,
sondern immer nur mit fremden Menschen.
|