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2004:
Diesen Satz habe ich in einem Buch gelesen. Einem
Buch das nichts mit Missbrauch zu tun hatte. Ich
las ihn und mir wurde klar das er stimmt. Akzeptieren
ist der Schlüssel zum "gewinnen".
Zeit, Kraft und Energie zu gewinnen für mich
selbst. Für mein Leben.
Vergangenheit ist etwas das man nicht ändern
kann. Sie ist vergangen. Ich kann tun und lassen
was ich will es ist wie es ist. Ich kann mich
noch so oft auflehnen dagegen. Kann mich noch
so oft gegen sie wehren. Egal was ich tue, sie
ist immer da. Sie ist die Ursache von vielem was
mich in der Gegenwart begleitet. Und solange wie
ich gegen sie kämpfe kämpfe ich gegen
mich. Ich selbst bin ihre grösste, ich sicherste
Waffe. Ich selbst bin es die die Mündung
gegen mich richtet wenn ich nicht lerne die Vergangenheit
zu akzeptieren.
Mein
Täter hat die Munition für die Waffe
geliefert. Aber eine Patrone schadet niemandem
solange wie sie auf dem Tisch liegt. Ein Messer
tötet niemanden solange es in der Schublade
ist. Eine Bombe zerstört nichts solange keiner
den Zünder aktiviert. "ich bin die Waffe"
- was das bedeutet musste mir erstmal klar werden.
Nicht mein Täter zwingt mich dazu mich selbst
zu verletzen. Er hat die Munition - das Gefühl
dreckig zu sein, das Gefühl mich bestrafen
zu müssen - dafür geliefert. Aber ich
drehe die Dusche auf kochend heiss. Nicht er.
Akzeptiere ich das ich mich dreckig fühle
wegen ihm, so erkenne ich die Munition. Es liegt
an mir sie zu nehmen und daraus eine Waffe zu
machen und sie gegen mich zu richten oder eben
nicht. Es ist nicht leicht das zu lernen und ich
habe es noch lange nicht gelernt. Aber ich versuche
es. Immer und immer wieder. NIcht in dem ich gegen
das Gefühl heiss duschen zu müssen,
ankämpfe, das ist ein Gefühl der Vergangenheit.
Sondern indem ich es akzeptiere. Es ist da. Nun
liegt es an mir etwas dagegen zu tun.Indem ich
mir die Frage stelle, inwieweit ich die Schublade
öffnen will, ob ich den Abzug betätigen
oder den Zünder aktivieren will. Und das
ist wichtig für mich. Zu sagen "ich
will es nicht, aber ich kann es wenn ich will,
ich darf es wenn ich will". Schon alleine
diese Gedanken bewirken das ich aufhöre gegen
die Munition - das unabänderliche - meine
Vergangenheit- zu kämpfen und die Kraft habe
um gegen die Folgen etwas zu tun.Früher habe
ich mir gesagt: "ich möchte heiss duschen,
aber ich darf es nicht". "du darfst
nicht" war der Satz der mir mein Täter
immer und immer wieder gesagt hat. "Du darfst
nichts sagen, du darfst nichts tun was ich nicht
will, du darfst nicht schreiben, du darfst dich
nicht wehren" "Du darfst nicht"
ist die Munition. Ich sehe die Munition, ich sehe
die Waffe (die Dusche) Ich weiss das ich darf,
das ich kann. Und entscheide mich dann ob ich
es will. Es kommt immer öfters vor das ich
es nicht will. Und es dann auch nicht tue. Ich
fühle mich dreckig? Also ist es so und ich
lerne es zu akzeptieren. Vor allem zu akzeptieren
das nur ich diesen Dreck sehe. Die Momente werden
immer länger in denen ich diesen Dreck akzeptieren
kann. Durch dieses akzeptieren wird der Dreck
immer kürzer sichtbar. Sehe ich ihn eine
halbe Stunde dann fängt er an mich zu quälen.
Ich nehme die Waffe Dusche und tue das was mir
in dem Moment gut tut. Der Dreck übernimmt
die Macht über mein Handeln. Die Vergangenheit
übernimmt die Macht. Ich kämpfe nicht
mehr dagegen an.
Akzeptiere ich ihn als etwas aus meiner unveränderlichen
Vergangenheit. Setze ich mich mit ihm auseinander
-dann verliert er seine Macht. Und er wird mich
keine halbe Stunde lang quälen. Mit der Zeit
lerne ich das er in zehn Minuten, in fünf
Minuten weg sein wird. Ohne das ich eine Waffe
dafür brauche. Es ist Gegenwart und die Munition
bleibt ungenutzt auf dem Tisch liegen.
Vielleicht
ist das jetzt kompliziert erklärt. Aber wie
im Vorwort schon geschrieben: Ich tippe hier meine
Gedanken so wie sie kommen. Und ich denke oft
sehr kompliziert.
So
oft höre ich ( und so oft habe diese Frage
selbst gestellt): "Was kann ich dagegen tun????"
Die Frage die wir uns stellen sollten ist "Was
kann ich damit tun?" Was kann ich mit dem
Wissen dieser scheiss Vergangenheit tun? Was kann
ich mit den Empfindungen die ich dadurch habe,
mit den Erinnerungen, mit den ganzen Gedanken
und Folgen tun um mir das Leben heute, in der
Gegenwart - und morgen, in der Zukunft - leichter,
schöner und einfacher zu machen?
Was
kann ich tun damit die Folgen mich nicht immer
wieder beeinflussen? Ich kann sie akzeptieren.
Kann sagen "ich bin nunmal so im Moment".
Ich kann über sie nachdenken. Wo ist der
Ursprung? Warum bin ich so? Warum ist es jetzt
so? Nicht "warum wurde ich missbraucht?"
Darauf gibt es keine Antwort. Sondern "ich
wurde missbraucht, jetzt verletze ich mich selbst.
Warum tue ich das?"
Ich erkenne einen Ursprung, akzeptiere ihn, durchleuchte
ihn. Lasse ihn Ursprung sein und arbeite mit mir
an den Folgen indem ich gegen sie ankämpfe.
Denn sie sind Gegenwart Der Kampf gegen das heisse
Duschen lohnt sich noch, weil es noch abänderbar
ist. Es ist noch nicht vergangen.
Wie
gesagt: Es ist schwer. Es ist immer wieder ein
neues Lernen. Immer wieder von vorne. Aber es
bewirkt etwas. Nicht von heute auf morgen, nicht
von jetzt auf nachher. Aber schrittchenweise.
Und das ist der Gewinn aus einem Kampf, den man
nicht führt.
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