Arbeit
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

 

< ... ich musste dem allen einen Sinn geben. Sonst hätte mein Leben keinen Sinn mehr gehabt. Einfach nur als falsches Kind zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein - dieser Gedanke hätte mich umgebracht. Also gab ich meiner Vergangenheit einen Sinn. So sinnlos wie sie auch war. Ich bin durch sie heute so wie ich bin. Ich bin wegen ihr zu dieser Arbeit gekommen. Ich musste sie erleben damit ich euch heute verstehen kann. Oder euch helfen kann ein bisschen zu verstehen....>

 

2004: Was ist meine Arbeit?
In erster Linie ist sie etwas um mir zu helfen. Wie ich oben geschrieben habe: Wenn ich das nicht hätte dann hätte ich mir schon lange den Strick gegeben.
Ich bin nicht bewusst an diese Arbeit gekommen. Die Kinderschreie war eine Verzweiflungstat. Eigentlich sollte sie ein Abschiedsbrief sein - ein Mahnmal für alle - ein Zeugnis für die die wissen wollen warum ich nicht mehr bin. Während ich mich mit ihr befasste, während ich die ersten Inhalte schrieb, hat sich das gewandelt. Ich wollte nicht mehr das sie das Ende ist sondern ein Anfang.

Heute frage ich mich oft wann es zu Ende sein wird. Wann wird der Punkt erreicht sein wo ich nicht mehr kann? Oder wo ich - für mich - das alles nicht mehr tun "muss". Wobei ich glaube das ersteres der Grund sein wird warum ich eines Tages die Website löschen werde. So viele Abgründe die sich auftun bei dem, was die Menschen mir schreiben. Soviele Dinge sehen, lesen, hören. So oft da stehen und nichts tun können. So oft einfach nur stillhalten müssen obwohl man rennen will. Wegrennen? Im Moment noch nicht. Aber ich weiss das wird eines Tages soweit sein. Da mache ich mir nichts mehr vor.

Als ich anfing wollte ich die Welt retten. Ich wollte alles tun damit es solche Seiten wie diese nicht mehr geben wird. Wollte alles tun damit solche Mails wie ich sie bekomme, nicht mehr geschrieben werden müssen. Diese Erwartung hat mich viel gekostet. Vor allem Kraft. Ich habe angefangen zu lernen das man die Welt nicht retten kann. Habe angefangen zu lernen die "kleinen Erfolge" zu schätzen. Und ich merke langsam aber sicher das mir diese Erfolge zu wenig sind. Zuwenig denen man wirklich helfen kann im Gegensatz zu all den Abgründen die noch offen sind. Ein Tag könnte 48 Stunden haben und es wird immer noch zuwenig sein.

Ich frage mich dann "wann stumpfe ich ab?". Wann bin ich an dem Punkt angelangt wo mich das alles nicht mehr berührt? Nicht mehr belastet? Was ist wenn dieser Punkt da ist? Ist es dann nicht auch das Ende? Ich habe Angst davor abzustumpfen und wünsche es mir jedesmal das ich es wäre, wenn wieder irgendetwas grauenvolles auf mich zu kommt. Grauenvolles was andere mir zeigen, schildern oder erzählen. Wieviel kann ein Mensch ertragen? Und wie kann ich es mir anmassen darüber verzweifelt zu sein wenn ich es doch nur lese?

Meine Arbeit ist mit sehr viel Egoismus vermischt. Indem ich anderen helfe, helfe ich mir selbst. Entweder weil ich mich mit mir beschäftigen muss, oder weil ich mich von mir ablenken kann. Meine Arbeit lässt sinnloses sinnvoll erscheinen. Und doch kann sie kaputt machen. Gewöhnt man sich je daran? Ich kann nicht etwas das mich gerade noch in einer Mail beschäftigt hat auf die Seite legen und schlafen gehen. Ich kann nicht so tun als ob es all das Leid nicht gibt im Alltag. Ich kann nicht so tun als wäre ich und die "Bine von der Kinderschreie" zwei verschiedenen Menschen. Ich kann nicht und ich will nicht. Und ich frage mich dann ob ich mich auffressen lasse von etwas neuem nur um nicht merken zu müssen das altes mich auffrisst.

Ich höre im Geiste schon die "nein, tu das nicht" - Rufe die kommen werden, wenn ich diese Arbeit hier einstelle. Ist es dann "aufgeben"? Mir graut es vor dem Tag wo ich das tue, weil ich Angst davor habe das dann alles wieder von vorne anfängt. Das ich dann wieder nach einem Sinn suche, wieder keinen finde, wieder ruhig werde, wieder schweige, wieder verzweifle. Gerade weil ich all das getan habe. Entweder - oder, ich kann mir kein Zwischending vorstellen. Entweder ich tue es richtig oder gar nicht. Beides kann mich auffressen. Beides kann mich fertig machen. Was ist die bessere Variation?

Und dann sehe ich wieder die andere Seite. Die weisse Seite der schwarzen Kinderschreie. Sehe die Menschen die sich bedanken. Die Menschen die sagen das ihnen geholfen wurde. Ich sehe eine Betroffene vor mir die froh ist das sie nicht alleine zum Arzt muss. Sehe einen Mann vor mir der froh ist das er anfängt seine Frau verstehen zu können. Ich sehe Kinder vor mir die nicht mehr das erleben müssen was sie erlebt haben. Sehe eine 72-jährige Frau die endlich reden kann. Und ich denke mir "du darfst nicht aufhören Bine" - und dieses "du darfst nicht" hängt drohend über mir manchmal. Erinnert mich - und ich stürze mich wieder in die Arbeit... weil ich es tun muss - tun will - und mich darüber freuen kann doch ein kleines bisschen bewirken zu können. Auch für mich.

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