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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

 

< ... endlich! Ich fühle wie das Wasser mir über den Rücken läuft. Lange nasse Bahnen nach sich zieht. Spüre meine Haut wieder. Der dicke Schleim der auf ihr liegt wird weicher, flüssiger, fliest langsam ab. Ich hebe meine Arme. Das Wasser läuft an Ihnen runter. In der Dusche wird es warm. Der Wasserdampf bewirkt das ich mich nicht mehr sehen muss. Die Scheiben der Duschwand beschlagen. Es gibt keine Welt mehr. Nur noch ich im Nebel. Keiner kann mich mehr sehen. Keiner kann den Dreck an mir sehen. Der Nebel packt mich ein in Watte. Das Wasser wäscht das ab, was mir dir Luft zum Atmen nimmt. Der Kratzzwang lässt nach. Ich muss es nicht mehr wegkratzen. Das Wasser erledigt das für mich. Es ist mein Freund. Hilft mir. Das Gefühl sauber zu sein kommt auf. Ich sehe die Welt nicht mehr. Traue mich wieder raus. Und stehe draussen in der kalten Welt. Dann kommt der Schmerz der verbrannten Haut. Freunde tun weh.... die Realität hat mich wieder....>

 

2004 Oben genanntes beschreibt die Situation, wenn ich heiss duschen muss. Und heiss ist dann heiss. So heiss das es ein "normaler Mensch" wahrscheinlich nicht ertragen könnte. Eindeutige Selbstverletzung.
Wenn ich zu interessierten Menschen sage: "Ich verletze mich selbst - indem ich z.B. kochend heiss dusche" dann schauen sie mich entsetzt an. Sie verstehen nicht warum. Sie können verstehen warum ich dusche. Aber nicht warum ich mich selbst verletze damit. Denn verletzt bin ich danach. Meine Haut brennt.

Aber gerade dieses Beispiel zeigt das es mehr ist als "nur Dreck abwaschen". Es muss viel geschehen davor, es geschieht viel in mir dabei und es zieht vieles nach sich.

Die Folgen von Kindesmissbrauch sind so komplex, das man für jede Folge eine eigene Website machen könnte. Und hätte dann doch noch nicht alles aufgezählt. Ich möchte hier darüber schreiben, was es aus mir gemacht hat - Selbstverletzung ist nur ein Teil davon.

Die "krassen" Folgen wie Depressionen, multiple Persönlichkeiten, Nichtfähigkeit von Sex, Angst vor Männern ect - das sind die Folgen die in der Gesellschaft mittlerweile geglaubt und auch irgendwie anerkannt werden. Aber was ist mit den Folgen die tagtäglich im Alltag da sind, die aber keiner als Folgen erkennt? Uns aber das Leben so schwer machen?

Wer erkennt den Ekel in mir wenn ich Tomaten schneiden muss (die Geschichte die dahinter steht muss jetzt gar nicht erörtert werden) Wer glaubt mir das ich beziehungsunfähig bin? In Sinne einer normalen Beziehung? Wer versteht meine "Angst" vor Frauen? Mein Täter war doch ein Mann! Wer versteht meine Masken? Mein Misstrauen allem und jedem Gegenüber? Man bewundert wie viel ich leiste Tag für Tag. Was ich alles schaffe. Aber wer versteht das ich das tun muss? Um mich wenigstens ab und zu von meinen Erinnerungen abzulenken? Wer versteht das ich mit wenig Schlaf auskomme weil ich es von klein auf nicht anders gelernt habe? Und erkennt dann aber das ich trotzdem müde bin? Und trotz dieser Müdigkeit wieder eine Nacht durcharbeiten muss?

Wer erkennt das ich an mir selbst zweifele weil es mir ab und zu nicht möglich ist mein Kind in den Arm zu nehmen? Das mir oft meine Familie fehlt obwohl es mir gut tut, das sie die Kontaktbegrenzung von mir meistens einhalten? Wer sieht die inneren Kämpfe zwischen meinem Verstand und meinem Gefühl? Die sensible Frau hinter der starken, kalten und harten Bine?
Ich ziehe mich weiblich an. Für viele ein Zeichen dafür das ich es geschafft habe. Wie kann ich euch erklären das ich das manchmal tun muss, um glauben zu können das ich eine Frau bin? Um zu sehen das ich nicht nur irgendein Stück Dreck bin?

Wieso zucke ich zurück wenn ihr mir die Hand geben wollt? Wieso vermeide ich Plätze in denen ich mich eingesperrt fühle? Warum arbeite ich soviel. Warum "rede" ich mit Musik anstatt mit euch? Wieso kann ich keine Körperlotion benutzen? Warum kann ich meinem Körper nicht selbst gutes tun? Wieso achte ich nicht auf meine Haut? Auf meine Gesundheit? Auf mein eigenes Wohlbefinden?

Und warum stehe ich trotz all dem als starke, attraktive, selbstbewusste Frau vor euch?

Wieso der Perfektionismus? Dieses "alles unter Kontrolle haben" - wollen? Wieso diese Nachdenklichkeit? Dieses "sich selbst in Frage stellen". "Sich selbst suchen müssen"? Immer und immer wieder.

Kleine Dinge im Alltag. Ein gereizter Partner der sich fragt ob ich heute wohl mehr als zwei Sätze mit ihm rede. Kinder die mich traurig ansehen weil sie den Kuss nicht bekommen haben. Ein Chef der ausnutzt das ich "immer kann". Menschen die sich zurückziehen weil sie mit meiner direkten Art nicht klarkommen. Arbeitskollegen die mich ausschliessen weil sie nicht wissen wie sie mich einschliessen sollen. Nächte die rumgehen ohne das man sich durch sie erholen konnte. Der Zwang immer weiter und weiter zu machen. Die Scheu der Nachbarin gegenüber, das sie wirklich "nur" Kaffee trinken will. Die abgebrochene, körperliche Nähe weil die Sicherheit die man gerade noch hatte, mit einer Sekunde vorbei ist...... die unverständliche Sehnsucht nach allein sein, nach Ruhe, nach Stille um mich herum. Der Egoismus anderen gegenüber mit dem ich versuche wenigstens einen kleinen Teil von dem zurückzuholen, der mir durch meine eingetrichterten Manipulationen und Verhaltensweisen, verwehrt bleibt.

Die Liste könnte noch ewig so weitergehen.... und was das schwierige dabei ist: Es zu erklären. Es verständlich zu machen für die, die es interessiert. Sobald ich etwas davon erklären möchte muss ich mihc zurücksetzen in das, was es auslöst. Auch wenn es mir nicht "schadet" in dem Moment, muss ich doch wieder in die Tiefen. Denn es ist nicht erklärt bevor man nicht am Ursprung angekommen ist. Menschen die es nicht erlebt haben können es nicht einfach so verstehen. Denn es ist nicht einfach. Die Gedankenwirrwarre in meinem Kopf verstehe ich ja manchmal selbst nicht. Ich brauche Tage, Wochen, Monate oder Jahre dafür, um sie zu entwirren. Und dann das für mich herauszufiltern mit dem ich leben kann. Die Gedankenwelt des Kindes in einem erwachsenen Menschen - ein Zwiespalt den man nur mit vielen ausführlichen Worten erklären kann. Aber nicht immer geht das denn es ist mit Erinnerungen, Schmerzen und vor allem - wieder mit kindlichen Gefühlen verbunden. Ein Teufelskreis aus dem man zwar immer mal wieder ausbricht - der einem aber auch sehr viel Kraft kostet bis man ihn erkennt. Kraft die dann für Partner, Familie, Job und Gesundheit drauf gehen. Und weil das nicht sein darf, weil nicht noch mehr darunter leiden sollen - tut man als ob man die Kraft hat. Und lässt nichts raus über das, was einen fertig macht...

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