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2004
Oben genanntes beschreibt die Situation, wenn
ich heiss duschen muss. Und heiss ist dann heiss.
So heiss das es ein "normaler Mensch"
wahrscheinlich nicht ertragen könnte. Eindeutige
Selbstverletzung.
Wenn ich zu interessierten Menschen sage: "Ich
verletze mich selbst - indem ich z.B. kochend
heiss dusche" dann schauen sie mich entsetzt
an. Sie verstehen nicht warum. Sie können
verstehen warum ich dusche. Aber nicht warum ich
mich selbst verletze damit. Denn verletzt bin
ich danach. Meine Haut brennt.
Aber
gerade dieses Beispiel zeigt das es mehr ist als
"nur Dreck abwaschen". Es muss viel
geschehen davor, es geschieht viel in mir dabei
und es zieht vieles nach sich.
Die Folgen von Kindesmissbrauch sind so komplex,
das man für jede Folge eine eigene Website
machen könnte. Und hätte dann doch noch
nicht alles aufgezählt. Ich möchte hier
darüber schreiben, was es aus mir gemacht
hat - Selbstverletzung ist nur ein Teil davon.
Die "krassen" Folgen wie Depressionen,
multiple Persönlichkeiten, Nichtfähigkeit
von Sex, Angst vor Männern ect - das sind
die Folgen die in der Gesellschaft mittlerweile
geglaubt und auch irgendwie anerkannt werden.
Aber was ist mit den Folgen die tagtäglich
im Alltag da sind, die aber keiner als Folgen
erkennt? Uns aber das Leben so schwer machen?
Wer erkennt den Ekel in mir wenn ich Tomaten schneiden
muss (die Geschichte die dahinter steht muss jetzt
gar nicht erörtert werden) Wer glaubt mir
das ich beziehungsunfähig bin? In Sinne einer
normalen Beziehung? Wer versteht meine "Angst"
vor Frauen? Mein Täter war doch ein Mann!
Wer versteht meine Masken? Mein Misstrauen allem
und jedem Gegenüber? Man bewundert wie viel
ich leiste Tag für Tag. Was ich alles schaffe.
Aber wer versteht das ich das tun muss? Um mich
wenigstens ab und zu von meinen Erinnerungen abzulenken?
Wer versteht das ich mit wenig Schlaf auskomme
weil ich es von klein auf nicht anders gelernt
habe? Und erkennt dann aber das ich trotzdem müde
bin? Und trotz dieser Müdigkeit wieder eine
Nacht durcharbeiten muss?
Wer
erkennt das ich an mir selbst zweifele weil es
mir ab und zu nicht möglich ist mein Kind
in den Arm zu nehmen? Das mir oft meine Familie
fehlt obwohl es mir gut tut, das sie die Kontaktbegrenzung
von mir meistens einhalten? Wer sieht die inneren
Kämpfe zwischen meinem Verstand und meinem
Gefühl? Die sensible Frau hinter der starken,
kalten und harten Bine?
Ich ziehe mich weiblich an. Für viele ein
Zeichen dafür das ich es geschafft habe.
Wie kann ich euch erklären das ich das manchmal
tun muss, um glauben zu können das ich eine
Frau bin? Um zu sehen das ich nicht nur irgendein
Stück Dreck bin?
Wieso zucke ich zurück wenn ihr mir die Hand
geben wollt? Wieso vermeide ich Plätze in
denen ich mich eingesperrt fühle? Warum arbeite
ich soviel. Warum "rede" ich mit Musik
anstatt mit euch? Wieso kann ich keine Körperlotion
benutzen? Warum kann ich meinem Körper nicht
selbst gutes tun? Wieso achte ich nicht auf meine
Haut? Auf meine Gesundheit? Auf mein eigenes Wohlbefinden?
Und warum stehe ich trotz all dem als starke,
attraktive, selbstbewusste Frau vor euch?
Wieso der Perfektionismus? Dieses "alles
unter Kontrolle haben" - wollen? Wieso diese
Nachdenklichkeit? Dieses "sich selbst in
Frage stellen". "Sich selbst suchen
müssen"? Immer und immer wieder.
Kleine Dinge im Alltag. Ein gereizter Partner
der sich fragt ob ich heute wohl mehr als zwei
Sätze mit ihm rede. Kinder die mich traurig
ansehen weil sie den Kuss nicht bekommen haben.
Ein Chef der ausnutzt das ich "immer kann".
Menschen die sich zurückziehen weil sie mit
meiner direkten Art nicht klarkommen. Arbeitskollegen
die mich ausschliessen weil sie nicht wissen wie
sie mich einschliessen sollen. Nächte die
rumgehen ohne das man sich durch sie erholen konnte.
Der Zwang immer weiter und weiter zu machen. Die
Scheu der Nachbarin gegenüber, das sie wirklich
"nur" Kaffee trinken will. Die abgebrochene,
körperliche Nähe weil die Sicherheit
die man gerade noch hatte, mit einer Sekunde vorbei
ist...... die unverständliche Sehnsucht nach
allein sein, nach Ruhe, nach Stille um mich herum.
Der Egoismus anderen gegenüber mit dem ich
versuche wenigstens einen kleinen Teil von dem
zurückzuholen, der mir durch meine eingetrichterten
Manipulationen und Verhaltensweisen, verwehrt
bleibt.
Die Liste könnte noch ewig so weitergehen....
und was das schwierige dabei ist: Es zu erklären.
Es verständlich zu machen für die, die
es interessiert. Sobald ich etwas davon erklären
möchte muss ich mihc zurücksetzen in
das, was es auslöst. Auch wenn es mir nicht
"schadet" in dem Moment, muss ich doch
wieder in die Tiefen. Denn es ist nicht erklärt
bevor man nicht am Ursprung angekommen ist. Menschen
die es nicht erlebt haben können es nicht
einfach so verstehen. Denn es ist nicht einfach.
Die Gedankenwirrwarre in meinem Kopf verstehe
ich ja manchmal selbst nicht. Ich brauche Tage,
Wochen, Monate oder Jahre dafür, um sie zu
entwirren. Und dann das für mich herauszufiltern
mit dem ich leben kann. Die Gedankenwelt des Kindes
in einem erwachsenen Menschen - ein Zwiespalt
den man nur mit vielen ausführlichen Worten
erklären kann. Aber nicht immer geht das
denn es ist mit Erinnerungen, Schmerzen und vor
allem - wieder mit kindlichen Gefühlen verbunden.
Ein Teufelskreis aus dem man zwar immer mal wieder
ausbricht - der einem aber auch sehr viel Kraft
kostet bis man ihn erkennt. Kraft die dann für
Partner, Familie, Job und Gesundheit drauf gehen.
Und weil das nicht sein darf, weil nicht noch
mehr darunter leiden sollen - tut man als ob man
die Kraft hat. Und lässt nichts raus über
das, was einen fertig macht...
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