Heute
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

< Du hast es geschafft mich als Kind zu missbrauchen... du hast es geschafft mir meinen Stolz zu nehmen... du hast es geschafft mir zu zeigen was Ekel bedeutet. Du hast es geschafft mich zu demütigen... zu quälen... meinen Willen zu brechen... Du hast es geschafft aus mir einen Menschen zu machen der nicht vertrauen kann... der Zärtlichkeiten als Qual empfindet und manchmal Angst vor Liebe hat... du hast es geschafft mich hart zu machen... mir mein Kinderlachen zu nehmen und einen Teil meiner Seele zu totem Fleisch zu machen... du hast es geschafft das ich mich schmutzig fühle... das ich mich schuldig fühle... das ich manchmal an mir selbst zweifele. Du hast es geschafft mir meinen Schlaf zu rauben und mir meine Nächte zur Qual werden zu lassen... du hast es geschafft das ich keine Gefühle zeige aus Angst verletzt zu werden... aber du hast eines  nicht geschafft... ich bin ein Survivor... ich lebe noch  und du warst nicht gut genug um mir den Mund für immer zu verbieten. Ich rede und ich weiß heute das du das Schwein bist... und das ich dich dafür so hassen darf wie ich dich heute hasse !!! >

 

Heute...

Heute bin ich ein Survivor, eine Überlebende.Es hat sich sehr viel getan für mich seitdem ich die Kinderschreie im Netz habe. Sie wurde für mich ein Ankerpunkt, egal ob es mir gut oder schlecht geht. Der Austausch mit den Menschen auf dem Forum, per Mail oder real, sind für mich sehr, sehr wichtig geworden und geben mir sehr viel Kraft. Ich habe endlich Menschen gefunden die verstehen wenn ich ihnen etwas erzähle. Die dankbar sind wenn man selbst zuhört und auch Menschen, die kein Opfer sind, aber verstehen wollen. Ich lerne zu lieben, mich schwach zu zeigen und zu kämpfen... dank dieser HP und ihren Folgen.

Und heute ist der 22.05.2004. In den letzten Wochen hat sich sehr viel verändert für mich. Und durch diese Veränderungen spüre ich die Kraft wieder in mir, die ich lange vermisst habe. Die Kinderschreie war ein paar Wochen offline und ich habe in der Zeit gemerkt, wie wichtig sie mir ist. Wie sehr sie mir gefehlt hat. Aber ich möchte sie nicht mehr so ins Netz stellen wie sie vor ein paar Wochen noch war. Denn zuvieles ist anders jetzt. Diejenigen, die die Kinderschreie schon eine Weile kennen, werden manche Textpassagen hier bekannt vorkommen. Ich möchte sie auch so lassen und nur durch die aktuellen Dinge ergänzen.

Ich bin eine Frau die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Eine starke Frau. Aber vieles von dem was ich erlebt habe hat auch heute noch Folgen. Auch heute noch gibt es Nächte in denen ich nicht schlafen will weil ich auch heute noch diese Träume habe. Auch heute frage ich mich manchmal ob ich nicht doch irgendwo schuld an allem war. Auch heute noch habe ich Angst vor Berührungen, Angst davor zu reden, Angst davor verletzt zu werden. Auch heute noch sehe ich diese Bilder vor meinen Augen ablaufen und spüre wieder den Ekel der mich dabei überfiel.

Aber ich habe geredet und werde weiter reden. Vielleicht in einer anderen Art. Nicht mehr so sehr auf mein persönliches Leben ausgerichtet, sondern mehr auf das Thema "Missbrauch und seine Folgen" im allgemeinen. In diesem Moment jetzt geht es mir gut. Und ich habe das Gefühl das ein neues Kapitel für mich anfängt.

Vor einigen Jahren fing ich an darüber zu reden.und ich erfuhr das ich nicht die einzigste war die zu leiden hatte. Ich erfuhr durch mein Reden das es viele Survivor gibt. Und wieviele Menschen auf jemanden warten der Ihnen sagt, das auch sie nicht die Einzigsten sind.
Mittlerweile rede ich mit jedem darüber der mich fragt. Ich habe keine Probleme mehr damit mich hinzustellen und zu sagen das ich als Kind missbraucht wurde. Egal ob einer einzelnen Person oder der Öffentlichkeit gegenüber.

Ich habe meinen Stiefvater nie angezeigt deswegen. Er verschwand kurz nachdem das Thema zum erstenmal auf den Tisch kam für immer aus meinem und dem Leben meiner Schwestern. Vor einigen Stunden, von dem Moment an wo ich jetzt hiersitze und diese Sätze tippe, bekam ich die Nachricht das er gestorben ist. Und in mir ist das Gefühl - es ist vorbei.

Meine Mutter verschließt vor all dem die Augen. Sie weiß wohl das etwas war aber sie will es nicht wahrhaben und spricht nicht darüber. Ich denke oft darüber nach ob sie damals etwas gewusst hat davon. Ich versuche immer mir die Antwort auf diese Frage nicht zu geben...

"Meine Schwestern und ich reden untereinander nicht wirklich darüber. Es ist eine Art stille Übereinkunft. Aber auch eine Folge der Distanz die zwischen uns herrscht. Eine Distanz die eindeutig von meiner Seite aus geht. Für meine Familie bin ich irgendwie eine Fremde. Es kam vieles raus, es wurde geredet, man hat sich ein bisschen geöffnet. Und ich habe gemerkt das es mir nicht gut tut, das ich befangen bin wenn ich meiner Familie gegenüber, über mich persönlich etwas erzählen soll. Also lass ich es und es wird meistgehend akzeptiert. Es ist ein Mittelweg zwischen dem "sich wünschen" und dem "nicht können". Ein Mittelweg mit dem ich im Moment gut leben kann.

Ich habe nie eine Therapie gemacht. Das ich darüber reden kann hilft mir sehr. Ich engagiere mich heute gegen Kindesmissbrauch. Seitdem ich Internet habe auch gegen Kinderpornographie. Kleine Teilerfolge sind die beste Therapie für mich.

Ich bin verheiratet, habe drei Kinder, lebe seit einigen Wochen getrennt von meinem Mann, habe aus meinem Leben etwas gemacht. Ich möchte versuchen mit einem gesunden Egoismus mein Leben jetzt so einzurichten, das ich mich wohl fühle damit. Die ersten Schritte sind getan. Ich denke man hat es nicht wirklich einfach wenn man mir näher steht. Aber es ist schon ein grosser Erfolg das man mir näher kommt.

Ich bin ein Survivor... und ich bin stolz darauf überlebt zu haben. Und meine Aufgabe ist es allen zu zeigen das man es schaffen kann. Allen zu zeigen das Kindesmissbrauch existiert und das man seine Augen nicht davor schließen darf!

Und ich wünsche mir heute dass das alles nicht wirklich passiert ist sondern nur ein böser Alptraum ist. Und ich weiß das dieser Wunsch nicht erfüllbar ist.

Und wenn es mal wieder zu arg wird greife ich nach rechts, ziehe meine Maske auf und schließe meinen Panzer...