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2004:
"Ich bewundere deinen Mut über all das
zu reden"
So
fangen viele Mails an die ich bekomme. Und ich
lese sie und denke "ihr vesteht nichts".
Wenn ich oben geschildertes lese dann frage ich
mich ob es nicht mutiger ist nicht darüber
zu reden? Es mit sich alleine auszumachen? Was
mich vor ein paar Jahren hat reden lassen, was
mich dazu bewogen hat diese HP zu machen - das
war nicht Mut, das war pure Verzweiflung. Und
auch heute noch ist es oft so. Wenn ich rede dann
weil ich mit all dem alleine nicht klar komme.
Weil mich der Mut verlässt es alleine zu
schaffen. Die die das ganze seit Jahren mit sich
herumschleppen sind mutiger. Sie versuchen ihr
Leben auf die Reihe zu kriegen obwohl sie alleine
sind!
Seit
dem ich darüber rede geht es mir besser.
Gut - es kommen auch viele negative Dinge dadurch
die andere davon abschrecken. Aber dann brauchen
sie nicht Mut um zu reden sondern Mut um den Anfeindungen
die durch ihr Reden kommen, gegenüberzustehen.
Mir schreiben Menschen die noch in diesen MIssbrauchsituationen
leben. Oder Menschen, wie eine 72-jährige
Frau, die noch die darüber geredet haben.
Seit über 50 Jahren erträgt sie alles
alleine. Ihr Mann weiss nichts davon, ihre Kinder
nicht. Ihre Familie nicht. Sie hat den Täter
bis vor 15 Jahren noch jeden Tag gesehen. Und
hat nichts gesagt. Ist sie nicht mutig nur weil
sie nicht redet? Bin ich automatisch mutig nur
weil ich das tue. Ich habe auch Angst. Immer und
immer wieder. Und durch diese Angst verbreitet
sich in mir eine Verzweiflung, die mich dann zum
reden bringt. Ist das Mut?
Nein,
ich empfinde es nicht als mutig was ich tue. Sondern
als für mich notwendig. Wenn ich den Austausch
mit anderen Betroffenen habe dann hilft das auch
mir. Wenn ich das Gefühl habe etwas tun zu
können dann hilft das auch mir. Das hat nichts
mit Mut zu tun. Aber dazu mehr auf der Seite "meine
Arbeit". Ich bewundere die, die es schaffen
anzuzeigen. Das ist Mut für mich. Ich bewundere
die die es schaffen ihren Täter mit all dem
zu konfrontieren. Das ist mutig. Ich bewundere
die die sagen: ich habe geredet, es ist draussen,
aber jetzt möchte ich wieder für mich
sein, meine Ruhe haben." Das ist mutig in
meinen Augen.
Ich schreibe, so wie jetzt, an der Kinderschreie
weiter wenn mich der Mut verlässt. Wenn ich
merke das meine Hoffnung sich in Verzweiflung
umwandelt. Ich schreibe hier nichts wenn es mir
gut geht. Warum nicht? Weil ich das "gutgehen"
alleine schaffen kann. Das "verzweifelt sein"
aber nicht.
Wer hat mehr Mut? Die die reden oder die die schweigen?
Eine Frage die wohl so nicht beantwortbar ist.
Aber wenn man mir schreibt dsa ich mutig bin weil
ich eine Website erstelle dann vergisst man die
die nicht die Möglichkeit haben das zu tun
oder zu reden..... und die sich trotzdem nicht
aufgeben. Sein Leben mit solchen Träumen
wie oben beschrieben zu leben. Sein Leben mit
Erinnerungen, Folgen, Angst und Trauer zu verbringen
- dazu gehört Mut.....
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