Ich war nur noch
mit mir selbst beschäftigt. Es kümmerte mich nicht was andere
taten. Ich war schweigsam, redete mit keinen Schulfreunden mehr,
ging nach der Schule nirgends wo mit hin. Es hätte ja irgendwer
merken können was mit mir los war, gleichzeitig wieder die Hoffnung
das mein Verhalten jemand dazu ermutigt mich zu fragen was los
ist.
Ich erinnere mich
an einen Tag wo meine Mutter mir auftrug meinen Stiefvater zum
Essen zu holen. Er war alleine im Keller. Ich sagte das ich
das jetzt nicht will und sie entgegnete mir das ich mich nicht
so anstellen solle. Daraufhin fragte ich meine Schwestern ob
eine von ihnen mit mir runtergehen würde. Aber alle sagten nein...
ich habe nicht darüber nachgedacht warum sie nein sagten....
Irgendwann kam
ich auf die Idee das ich mich ja nur hässlich und schmutzig
machen muss damit er sich vor mir ekelt und mich nicht mehr
will. Ich zog nur noch alte Sachen an die mir überhaupt nicht
passten. Die mich fett aussehen ließen. Ich wusch mich nicht
mehr ( im krassen Gegensatz dazu duschte ich mich aber andauernd
um meinen inneren Schmutz loszuwerden) Ich wechselte meine Kleidung
erst auf Aufforderungen meiner Mutter hin. Man hielt mir vor
wie schlampig ich geworden bin... wie unmöglich ich rumlaufe.
Aber keiner fragte nach warum das auf einmal so ist. Die Mutter
einer Schulfreundin nahm mich einmal auf die Seite um mit mir
zu reden. Sie meinte so wie ich aussehe würde mich bald niemand
mehr lieb haben. Ich wollte ihr irgendwie sagen das ich das
gar nicht möchte... im selben Moment kam von ihr das nicht einmal
mein Papa oder meine Mama mich so bald noch mögen würden, und
dass das doch schade wäre weil Kinder doch dafür sorgen müssten
das ihre Eltern sie mögen... und ich hielt meinen Mund...
Ich wurde in der
Schule immer schlechter. Ich war immer eine sehr gute Schülerin
gewesen mit Traumnoten. Zum Schluss blieb ich sitzen und musste
vom Gymnasium weg. Kein Lehrer wunderte sich großartig darüber
warum das so ist. Wenn sie mich oder meine Mutter darauf ansprachen
und wir mit den Schultern zuckten dann gaben sie sich damit
zufrieden.
Gleichzeitig legte
ich mir aber im Laufe der Jahre zwei Dinge zu. Erstens einen
Panzer der so undurchdringlich war das alle Versuche ihn zu
knacken schon im Keim erstickt wurden. Ich konnte sehr hart
und verletzend sein wenn jemand sich um mich kümmern wollte.
Wenn jemand fragte wie es mir geht.
Zweitens eine Maske.
Der ganzen Welt spielte ich aus Angst vor Aufdeckung dessen
was ich tat ( Mittlerweile wurde mir nämlich erfolgreich eingetrichtert
das ich an allem schuld bin ) vor, das ich ein selbstbewusstes
Mädchen bin. Überall war ich die lustigste, die lauteste, die
schlagfertigste. Überall wollten auf einmal alle meine Freundinnen
sein... und ich schubste sie angewidert zur Seite. Ich, die
doch so gerne jemand gehabt hätte um reden zu können. Aber die
Maske war einfach schon zu perfekt....
Hinzu kam meine
Schlaflosigkeit die heute noch anhält. Ich lag nächtelang wach
weil ich Angst hatte nicht zu merken wenn er reinkommt um mich
zu holen. Ich lag wach um mich im richtigen Moment verstecken
zu können, habe es aber nie geschafft mich zu verstecken obwohl
ich ihn frühzeitig hörte. Dazu kam die Angst vor den Träumen.
Träume in denen ich alles nochmal erlebte in den Nächten in
denen ich es nicht erlebte. Träume vor denen ich heute noch
Angst habe und die mich heute noch dazu zwingen manchmal die
ganze Nacht lang aufzubleiben.
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