Veränderungen
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 
meine Sprache

 Natürlich ging das alles nicht spurlos an mir vorbei. Ich sandte stille Schreie aus mit der Hoffnung das jemand sie hört. Gleichzeitig mit der Angst zu laut zu schreien und jemand könnte es hören. Ich zog mich in mich zurück. Wurde verschlossen und fing an viel nachzudenken. Nachzudenken über Sachen über die normalerweise kein Kind nachdenken sollte. Sachen wie "wie wäre es wenn ich tot wäre", "wie wäre es wenn er tot wäre", "wie könnte ich ihn umbringen", "wie kann ich mich umbringen".... und noch mehr in dieser Art.

Irgendwann begann ich zu schreiben. Schrieb alles auf was mich belastete. Schrieb mir meinen ganzen Schmerz von der Seele. Ich hatte das Blatt dann immer solange vor mir, bis ich hörte das jemand kam. Ich lies es solange vor mir bis derjenige sehen musste das ich es versteckte wenn er reinkam. Es war die Hoffnung das jemand mich fragt was auf diesem Blatt steht. Eine unbewusste Hoffnung nach Hilfe wie mir heute klar ist. Ein leiser Schrei...

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Er wurde nicht gehört, und viele andere auch nicht.

Ich wurde ein Meister darin bestimmte Situationen wo ich wusste das ich mit ihm alleine war nicht hervorzurufen. Vorher hatte ich es genossen ihm bei seinen Schnitzereien und Arbeiten zuschauen zu können. Danach konnte ich nicht weit genug von ihm weg sein.

Ich war nur noch mit mir selbst beschäftigt. Es kümmerte mich nicht was andere taten. Ich war schweigsam, redete mit keinen Schulfreunden mehr, ging nach der Schule nirgends wo mit hin. Es hätte ja irgendwer merken können was mit mir los war, gleichzeitig wieder die Hoffnung das mein Verhalten jemand dazu ermutigt mich zu fragen was los ist.

Ich erinnere mich an einen Tag wo meine Mutter mir auftrug meinen Stiefvater zum Essen zu holen. Er war alleine im Keller. Ich sagte das ich das jetzt nicht will und sie entgegnete mir das ich mich nicht so anstellen solle. Daraufhin fragte ich meine Schwestern ob eine von ihnen mit mir runtergehen würde. Aber alle sagten nein... ich habe nicht darüber nachgedacht warum sie nein sagten....

Irgendwann kam ich auf die Idee das ich mich ja nur hässlich und schmutzig machen muss damit er sich vor mir ekelt und mich nicht mehr will. Ich zog nur noch alte Sachen an die mir überhaupt nicht passten. Die mich fett aussehen ließen. Ich wusch mich nicht mehr ( im krassen Gegensatz dazu duschte ich mich aber andauernd um meinen inneren Schmutz loszuwerden) Ich wechselte meine Kleidung erst auf Aufforderungen meiner Mutter hin. Man hielt mir vor wie schlampig ich geworden bin... wie unmöglich ich rumlaufe. Aber keiner fragte nach warum das auf einmal so ist. Die Mutter einer Schulfreundin nahm mich einmal auf die Seite um mit mir zu reden. Sie meinte so wie ich aussehe würde mich bald niemand mehr lieb haben. Ich wollte ihr irgendwie sagen das ich das gar nicht möchte... im selben Moment kam von ihr das nicht einmal mein Papa oder meine Mama mich so bald noch mögen würden, und dass das doch schade wäre weil Kinder doch dafür sorgen müssten das ihre Eltern sie mögen... und ich hielt meinen Mund...

Ich wurde in der Schule immer schlechter. Ich war immer eine sehr gute Schülerin gewesen mit Traumnoten. Zum Schluss blieb ich sitzen und musste vom Gymnasium weg. Kein Lehrer wunderte sich großartig darüber warum das so ist. Wenn sie mich oder meine Mutter darauf ansprachen und wir mit den Schultern zuckten dann gaben sie sich damit zufrieden.

Gleichzeitig legte ich mir aber im Laufe der Jahre zwei Dinge zu. Erstens einen Panzer der so undurchdringlich war das alle Versuche ihn zu knacken schon im Keim erstickt wurden. Ich konnte sehr hart und verletzend sein wenn jemand sich um mich kümmern wollte. Wenn jemand fragte wie es mir geht.

Zweitens eine Maske. Der ganzen Welt spielte ich aus Angst vor Aufdeckung dessen was ich tat ( Mittlerweile wurde mir nämlich erfolgreich eingetrichtert das ich an allem schuld bin ) vor, das ich ein selbstbewusstes Mädchen bin. Überall war ich die lustigste, die lauteste, die schlagfertigste. Überall wollten auf einmal alle meine Freundinnen sein... und ich schubste sie angewidert zur Seite. Ich, die doch so gerne jemand gehabt hätte um reden zu können. Aber die Maske war einfach schon zu perfekt....

Hinzu kam meine Schlaflosigkeit die heute noch anhält. Ich lag nächtelang wach weil ich Angst hatte nicht zu merken wenn er reinkommt um mich zu holen. Ich lag wach um mich im richtigen Moment verstecken zu können, habe es aber nie geschafft mich zu verstecken obwohl ich ihn frühzeitig hörte. Dazu kam die Angst vor den Träumen. Träume in denen ich alles nochmal erlebte in den Nächten in denen ich es nicht erlebte. Träume vor denen ich heute noch Angst habe und die mich heute noch dazu zwingen manchmal die ganze Nacht lang aufzubleiben.
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