Verarbeitung
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- DER ANFANG
- VERARBEITUNG
- VERDRÄNGUNG
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

 

< ...nein, ich will es nicht wissen! will nicht sehen, will nicht so denken! Muss es verstecken. Wenn jemand merkt was ich getan habe. Ich zerstöre sie alle. Zerstöre ihr Leben. Tut mir leid, tut mir leid... ich wusste nicht das ich so böse bin. Sie dürfen es nie erfahren.. sie werden mir sagen was ich bin. Eine Lügnerin, verrückt, egoistisch und böse.... Verstecken - ich muss es verstecken. Ich mache alles kaputt... ich bin kaputt... es geht nicht mehr. Nichts geht mehr....>

 

Verarbeitung - das Zauberwort? "Wie kann ich verarbeiten?" "Wie hast du das Ganze verarbeitet?" Übersetzt für mich die Frage "wie kann ich leben? Wie lebst du damit?"
Verarbeitung ist - meiner Meinung nach (und ich bitte dies immer wieder zu beachten!) - Konfrontation und Akzeptanz. Nicht mehr weglaufen von dem was man weiss. Nicht mehr wegsehen wenn die Bilder kommen. Nicht mehr abschotten was an Empfindungen hochkommt.

Schwer, ja. Aber machbar. Nicht immer, aber immer wieder.

Am Anfang gelingt es noch sehr gut seine Gedanken auf die Seite zu schieben. Kurze Blitze die auftauchen. Man denkt "was war das denn?" und schiebt es wie eine lästige Fliege mit einer Handbewegung auf die Seite. Aber das Unterbewusstsein ist bereit um zum Bewusstsein zu werden. Lässt sich nicht mehr einfach so wegschieben. Die Blitze werden häufiger.

So viele Fragen tauchen auf. Keine Antworten. Man spürt die Antwort aber sie kommt nicht näher. Formuliert sich nicht zu Worten. Also frägt man nicht mehr. Alles wird beseite geschoben. Dieser Zustand hält eine ganze Weile an. Monate, Jahre... macht einen fertig ohne das man es weiss. Verdrängung gibt es nicht? An all die Therapeuten da draussen die das denken - ihr habt ja keine Ahnung von uns.. Sie ist einfach da. Wird Alltag. Um ihn zu überbrücken stürzt man sich in Extreme. Extremes Arbeiten, extreme Selbstverleugnung, extremes Opferverhalten ect. Die Liste könnte unendlich weiter geführt werden. Und man sucht sich seinen Bereich in dem man perfekt wird. Perfekt um anderen zu zeigen das man ganz normal ist. Das man etwas kann, etwas wert ist. Das man überhaupt keine schwarze Seite in sich findet. Das es da nichts gibt worüber man nachdenken müsste.... Dazu gehört auch perfekt zu vertuschen, das man wieder Opfer ist. Stillzuhalten wenn man geschlagen wird. Sich zu erniedrigen wenn dafür Ruhe ist. Aber das ist ein anderes Thema....

Anstrengend, aber für eine Weile ganz gut zu leben. Durch diesen Bereich, das bisschen perfekt sein, gewinnt man ein kleines bisschen Stärke. Das Unterbewusstsein registriert das. Und wird wieder ein bisschen bewusster. Flashs, Trigger, sie kommen unvorbereitet. Man glaubt ja (wieder) das da gar nichts ist. Und hauen einen um. Totaler Knockout. Entsetztes "das kann nicht sein!". Wegschieben, Schuldgefühle, Schamgefühle. "hoffentlich merkt keiner was!"

Noch perfekteres Verstellen. Aber es hat sich was geändert. Man kann sich selbst nicht mehr so gut belügen. Andere umso besser. Und man sitzt da, mit seinen Gedanken die man nicht haben will. Und die zuerst noch in der Form auftreten, die man anerzogen bekommen hat, die manipulierte Form als Schuldabweisung der Täter.

Man will alles verstecken. Keiner darf was merken. Man "weiss" ja das man selbst schuld ist. Das das was man getan hat etwas ganz böses war. Das einem niemand glauben wird das man das gar nicht wollte. Wollte ich es nicht? Habe ich es provoziert? Ich habe doch Schuld!

Das Leben ändert sich. Aus Verdrängung wird Verleugnung. Nicht mehr wegschiebbar. Jeden Tag präsent. Die Bilder werden deutlicher. Aber immer sieht man seine eigene Schuld. Täter sind perfekt im Schuld zuweisen. Das kindliche Gehirn ist empfänglich für das, was die Erwachsenen ihm beibringen. Es wird programmiert mit ihren Daten. So einfach ist das - und es funktioniert.

Es ist nicht der Gedanke da "ich wurde missbraucht". Nein, man denkt "ich habe das und das gemacht als ich klein war". Und verbietet sich selbst damit die Hilfe die man braucht. Ein Kampf ohne Chance, weil man gegen sich selbst kämpft. Ein Kampf der schwächt. Der alles lähmt was man sich mühsam angeeignet hat. Ohne es zu wissen.

Wie die Krankheit Krebs sitzt das Wissen in uns. Nach aussen nicht sichtbar. Für niemanden. Man wird ab und zu fragend angeschaut. Und zu gerne hören die Menschen um uns herum das alles okay ist. Das man nur ein bischen müde ist vom Alltag. Nichs weiter. Beruhigend für das Umfeld und zeitgebend für uns selbst.

Der Krebs "Wissen" frisst sich weiter durch uns. Schmerzen die wir fühlen aber nicht definieren können. Empfindungen die ins Fleisch kriechen wie kleine Würmer in Aas. Er frisst sich in uns weiter, frisst uns auf. Bis er einen Fehler macht. Er hat zu fest zugebissen und ist auf einmal draussen. Ein kleines Loch, nicht grösser wie ein Einstich, das jetzt da ist. Und egal wie man es ignoriert. Wie man versucht es zu stopfen. Es geht nicht mehr. Der Moment wo sich entscheidet, ob man aufgibt oder weiterleben will. Der Moment wo sich entscheidet ob man sich langsam umbringt - nicht im körperlichen Sinne. Eher ob man vom Mensch zur funktionierenden Maschine wird. Oder ob man leben will und den Kampf aufnimmt. Ort des Kampfes: Das Bewusstsein, Feind: ich selbst, Freund: mein Wille zu leben, Ziel: Verarbeitung...

ich hatte aufgegeben. Wollte nicht mehr, konnte nicht mehr. Aber da war ein kleines bischen Trotz übrig. ich wollte mich an einigen Menschen rächen. Rächen indem ich aufgab, und die Schuld an sie weitergab. Und ich wollte anderen Menschen klar machen, das ich doch irgendwie keine Schuld hatte. Ich fing wieder an zu schreiben. Und spürte wie der Krebs Angst vor mir bekam. Ein Gefühl das mich - unbewusst - auf mein eigenes "Schlachtfeld" führte. Weg vom Aufgeben, hin zur Verarbeitung...