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Verarbeitung
- das Zauberwort? "Wie kann ich verarbeiten?"
"Wie hast du das Ganze verarbeitet?"
Übersetzt für mich die Frage "wie
kann ich leben? Wie lebst du damit?"
Verarbeitung ist - meiner Meinung nach (und ich
bitte dies immer wieder zu beachten!) - Konfrontation
und Akzeptanz. Nicht mehr weglaufen von dem was
man weiss. Nicht mehr wegsehen wenn die Bilder
kommen. Nicht mehr abschotten was an Empfindungen
hochkommt.
Schwer,
ja. Aber machbar. Nicht immer, aber immer wieder.
Am Anfang gelingt es noch sehr gut seine Gedanken
auf die Seite zu schieben. Kurze Blitze die auftauchen.
Man denkt "was war das denn?" und schiebt
es wie eine lästige Fliege mit einer Handbewegung
auf die Seite. Aber das Unterbewusstsein ist bereit
um zum Bewusstsein zu werden. Lässt sich
nicht mehr einfach so wegschieben. Die Blitze
werden häufiger.
So
viele Fragen tauchen auf. Keine Antworten. Man
spürt die Antwort aber sie kommt nicht näher.
Formuliert sich nicht zu Worten. Also frägt
man nicht mehr. Alles wird beseite geschoben.
Dieser Zustand hält eine ganze Weile an.
Monate, Jahre... macht einen fertig ohne das man
es weiss. Verdrängung gibt es nicht? An all
die Therapeuten da draussen die das denken - ihr
habt ja keine Ahnung von uns.. Sie ist einfach
da. Wird Alltag. Um ihn zu überbrücken
stürzt man sich in Extreme. Extremes Arbeiten,
extreme Selbstverleugnung, extremes Opferverhalten
ect. Die Liste könnte unendlich weiter geführt
werden. Und man sucht sich seinen Bereich in dem
man perfekt wird. Perfekt um anderen zu zeigen
das man ganz normal ist. Das man etwas kann, etwas
wert ist. Das man überhaupt keine schwarze
Seite in sich findet. Das es da nichts gibt worüber
man nachdenken müsste.... Dazu gehört
auch perfekt zu vertuschen, das man wieder Opfer
ist. Stillzuhalten wenn man geschlagen wird. Sich
zu erniedrigen wenn dafür Ruhe ist. Aber
das ist ein anderes Thema....
Anstrengend,
aber für eine Weile ganz gut zu leben. Durch
diesen Bereich, das bisschen perfekt sein, gewinnt
man ein kleines bisschen Stärke. Das Unterbewusstsein
registriert das. Und wird wieder ein bisschen
bewusster. Flashs, Trigger, sie kommen unvorbereitet.
Man glaubt ja (wieder) das da gar nichts ist.
Und hauen einen um. Totaler Knockout. Entsetztes
"das kann nicht sein!". Wegschieben,
Schuldgefühle, Schamgefühle. "hoffentlich
merkt keiner was!"
Noch
perfekteres Verstellen. Aber es hat sich was geändert.
Man kann sich selbst nicht mehr so gut belügen.
Andere umso besser. Und man sitzt da, mit seinen
Gedanken die man nicht haben will. Und die zuerst
noch in der Form auftreten, die man anerzogen
bekommen hat, die manipulierte Form als Schuldabweisung
der Täter.
Man
will alles verstecken. Keiner darf was merken.
Man "weiss" ja das man selbst schuld
ist. Das das was man getan hat etwas ganz böses
war. Das einem niemand glauben wird das man das
gar nicht wollte. Wollte ich es nicht? Habe ich
es provoziert? Ich habe doch Schuld!
Das
Leben ändert sich. Aus Verdrängung wird
Verleugnung. Nicht mehr wegschiebbar. Jeden Tag
präsent. Die Bilder werden deutlicher. Aber
immer sieht man seine eigene Schuld. Täter
sind perfekt im Schuld zuweisen. Das kindliche
Gehirn ist empfänglich für das, was
die Erwachsenen ihm beibringen. Es wird programmiert
mit ihren Daten. So einfach ist das - und es funktioniert.
Es
ist nicht der Gedanke da "ich wurde missbraucht".
Nein, man denkt "ich habe das und das gemacht
als ich klein war". Und verbietet sich selbst
damit die Hilfe die man braucht. Ein Kampf ohne
Chance, weil man gegen sich selbst kämpft.
Ein Kampf der schwächt. Der alles lähmt
was man sich mühsam angeeignet hat. Ohne
es zu wissen.
Wie
die Krankheit Krebs sitzt das Wissen in uns. Nach
aussen nicht sichtbar. Für niemanden. Man
wird ab und zu fragend angeschaut. Und zu gerne
hören die Menschen um uns herum das alles
okay ist. Das man nur ein bischen müde ist
vom Alltag. Nichs weiter. Beruhigend für
das Umfeld und zeitgebend für uns selbst.
Der
Krebs "Wissen" frisst sich weiter durch
uns. Schmerzen die wir fühlen aber nicht
definieren können. Empfindungen die ins Fleisch
kriechen wie kleine Würmer in Aas. Er frisst
sich in uns weiter, frisst uns auf. Bis er einen
Fehler macht. Er hat zu fest zugebissen und ist
auf einmal draussen. Ein kleines Loch, nicht grösser
wie ein Einstich, das jetzt da ist. Und egal wie
man es ignoriert. Wie man versucht es zu stopfen.
Es geht nicht mehr. Der Moment wo sich entscheidet,
ob man aufgibt oder weiterleben will. Der Moment
wo sich entscheidet ob man sich langsam umbringt
- nicht im körperlichen Sinne. Eher ob man
vom Mensch zur funktionierenden Maschine wird.
Oder ob man leben will und den Kampf aufnimmt.
Ort des Kampfes: Das Bewusstsein, Feind: ich selbst,
Freund: mein Wille zu leben, Ziel: Verarbeitung...
ich
hatte aufgegeben. Wollte nicht mehr, konnte nicht
mehr. Aber da war ein kleines bischen Trotz übrig.
ich wollte mich an einigen Menschen rächen.
Rächen indem ich aufgab, und die Schuld an
sie weitergab. Und ich wollte anderen Menschen
klar machen, das ich doch irgendwie keine Schuld
hatte. Ich fing wieder an zu schreiben. Und spürte
wie der Krebs Angst vor mir bekam. Ein Gefühl
das mich - unbewusst - auf mein eigenes "Schlachtfeld"
führte. Weg vom Aufgeben, hin zur Verarbeitung...
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