Verarbeitung
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- DER ANFANG
- VERARBEITUNG
- VERDRÄNGUNG
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

 

< ...Bilder, Erinnerungen... sie martern meine Gedanken. Quälen mich. Ich will das sie aufhören. Kämpfe gegen sie an. Und spüre das ich diesen Kampf nie gewinnen werde. Meine Strategie ist beherrscht von Angst, Zweifel und Qualen. Wo ist der Ausweg? Wie kann ich verarbeiten? Etwas in mir sagt mir das ich das muss, wenn ich leben möchte. Leben - nicht funktionieren. Obwohl... Maschinen haben diese Gefühle nicht, die ich nicht haben möchte.... Ausweg? ....>

Verarbeitung - das fängt an mit "sich wehren". Sich wehren gegen die manipulierten Gedanken. Die Gefühle und Programmierungen des Kindes, umwandeln in erwachsenen Verstand. Ein Kraftakt ohne gleichen. Man "polt" sich selbst um. Das schafft man nicht alleine. Ist nicht machbar. Ich hatte das Glück die Kinderschreie erschaffen zu können. In dem Moment in dem ich die Angst des Krebses spüren konnte, hatte ich eine Chance. Und wandelte die um in eine Website. Die Menschen die mich in den ersten Tagen anschrieben, sind die Menschen die mir mit das Leben gerettet haben. Ohne das sie es wirklich wissen.

Der kleine Biss den der Krebs zuviel gemacht hat, war meine Möglichkeit rauszulassen. Alles kam aus mir raus. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Merkte zum erstenmal im Leben das ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin. Durfte fragen und bekam Antworten. Wurde bestätigt und berichtigt. Keine Vorwürfe. Keine Abwendung. Da war jemand der mir zuhörte und mich nicht verurteilte, so wie ich es gedacht habe. (an dieser Stelle ein grosses Danke an die Menschen, die mir in den ersten Wochen zuhörten...). Und im Hinterkopf hatte ich immer noch die andere Lösung: Wenn es nicht klappt kann ich mich immer noch umbringen. Bereit dazu war ich.

Durch das Aussprechen nahmen die Bilder, Erinnerungen und Fragen ihre Gestalt an. Albträume waren an der "Tagesordnung". Ich blockte alles und jeden ab. Schlüpfte, mit der Hilfe der "Kinderschreie-Menschen" in mein Innerstes hinein. Das erste was ich lernte: Ich darf reden!. Ich glaube, wenn ich so zurück denke, ich habe gar nicht mehr aufgehört damit. Es sprudelte alles aus diesem kleinen Loch heraus. Drängte sich dadurch. Wie bei einer Geburt. Eigentlich ist es zu eng. Eigentlich unmöglich. Aber doch kommt etwas heraus das eigentlich gar nicht durchpasst.

Oh nein, es war und ist nicht einfach. Das ist jetzt alles so zusammenfassend geschrieben. Aber eigentlich würde es Bücher füllen können. Es ist unglaublich schmerzhaft, kräfteraubend, zeitaufwendig. Ich weiss nicht wie oft ich mir einbilden wollte das alles doch nicht wahr ist. Es wäre mir lieber gewesen als Lügerin dazustehen, als weiter reden zu müssen. Es war kein Reden wollen mehr. Es war ein Zwang. Als ob ich Angst davor hatte das das Loch sich wieder schliesst ohne das alles raus war. Und gleichzeitig habe ich darauf gehofft das es sich schliesst.

Und dann war irgendwann - fürs erste - alles draussen. Und ich musste mich - wieder unterbewusst - dafür entscheiden was ich mit all dem Wissen jetzt mache. Eine Weile versuchte ich wieder davon wegzukommen. Es ist ja jetzt alles gesagt, also kann ich es jetzt vergessen. Aber das das nicht geht, müsste eigentlich jedem, selbst mir, klar sein. Egal wie ich kämpfte, es wurde immer schlimmer. Heisse Duschen, Trigger, Flashs, Albträume, Selbstverleugnung, Todessehnsucht, alles wurde extrem. Ich kämpfte gegen alles an. Und verlor jeden Tag den Kampf. Und damit auch wieder die Kraft für den nächsten Tag. Kam mit meinem Wissen keinen Schritt weiter. Warum dann das alles????

Mit der Zeit stieg eine wahnsinnige Wut in mir auf. Wut auf alles was mir das Leben so schwer macht. Wut die nicht in Worte zu fassen ist. Und ich hatte - auf gut deutsch gesagt - die Schnauze gestrichen voll von all dem. Ich tat zum erstenmal das, was mir heute noch hilft wenn es zu schlimm wird. Ich setzte mich hin und redete mit all den Dingen, die mich in dem Moment quälten. "Ihr wollt mich fertig machen? Bitteschön, dann aber jetzt! Nachher habe ich keine Lust mehr dazu! Hier bin ich, fallt über mich her. Zerreist mich. Aber lasst mir dann den Rest vom Tag meine Ruhe!"

Ich bin wirklich so dagesessen und habe mir die ganze Wut aus dem Leib geredet. Bin zum erstenmal nicht vor den Bildern zurückgewichen sondern habe angefangen sie bewusst herzuholen. Weil ICH jetzt bereit dafür war. Weil ICH es wollte. Kommen würden sie sowieso. Also kann ich auch versuchen da ein bisschen mitzubestimmen. Verarbeitung ist Konfrontation und Akzeptanz. Der Konfrontation mit der Vergangenheit nicht mehr aus dem Weg gehen. Akzeptieren was geschehen ist. Was es aus uns macht. Das es nicht mehr änderbar ist. Konfrontation damit, das Vergangenheit vergangen ist. So weh sie auch tut. So gerne wie ich sie auch ändern würde. Ich kann sie nicht ändern. Das musste ich begreifen und muss es akzeptieren. Nur so kann ich aus der Gegenwart etwas für mich ziehen. Und die Zukunft für mich ändern. Nicht alles ist mehr änderbar an mir. In einigen Dingen bin ich wie ich bin. Auch das muss ich akzeptieren. Und ich versuche das.

Vier Jahre - vier Jahre hat es bis heute gedauert das zu lernen, für mich umzusetzen und zu "praktizieren". Oh nein, das heisst nicht das ich fertig bin damit. Das heisst nicht das ich alles verarbeitet habe. Das alles vorbei ist. Es heisst nur das ich mit all dem, leben kann. Leben will. Es heisst das ein paar Barrieren sich gelöst haben. Das ich mich selbst lieben kann. Das ich weiss das ich keine Schuld hatte. Das man mit mir etwas schlimmes gemacht hat das man nicht hätte dürfen. Es heisst das ich akzeptiere wenn ich der Konfrontation nicht stand halten kann. Das ich Wege suche um das immer weiter auszubauen. Es heisst das es Tage gibt wo mich das nicht alles wieder einholt und fertig macht. Das meine Albträume weniger wurden, meine Folgen für mich erkennbarer, und somit auch änderbar sind. Es bedeutet das ich mir meiner selbst bewusster werde. Bedeutet Entscheidungen zu fällen hinter denen ich stehen kann. Und es bedeutet weiterzumachen damit. Weil ich Erfolge an mir sehen kann. Sehen kann wie meine Gegenwart nicht mehr nur aus Vergangenheit besteht. Das ist für mich die Definition von Verarbeitung. Wenn ihr euch darin erkennt dann ist es für mich das Zeichen, auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn ihr euch nicht erkennt, dann weiss ich trotzdem, das ich auf meinem richtigen Weg bin...