Verarbeitung
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- DER ANFANG
- VERARBEITUNG
- VERDRÄNGUNG
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Nein!!! - Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch
 

 

< ...warum tue ich das jetzt? eigentlich will ich es doch gar nicht tun. Irgendwas sagt mir das ich es tun muss. Wer ist das der mir das sagt? Wieso komme ich nicht dagegen an? Tausend Gedanken in mir während ich tue was ich tun muss. Bin ich eigentlich noch normal? Geht es anderen genauso? Dreh ich durch? Nicht mehr nachdenken.. einfach nicht mehr drüber nachdenken.. tun was getan werden muss. Egal warum. Ist einfach so jetzt. Was solls......>

 

Wenn mich mal wieder jemand fragt, wie ich das so viele Jahre einfach "vergessen" konnte, dann mache ich innerlich immer zuerst mal einen grossen Seufzer bevor ich ihm antworte. Denn irgendwie weiss ich dann das der Fragende, sich doch nicht richtig mit dem beschäftigt hat, was ihn angeblich beschäftigt.

Verdrängung ist nicht Vergessen. Wenn ich vergesse dann ist alles weg. Aus, weg, gestrichen. Die Ursachen sind weg, die Folgen und die Reaktionen. Denn wenn ein Ursprung fehlt dann gibt es keine Folgen. Weggewischt. Weg.

Ein Beispiel:
Wenn ich vergessen habe das ich als Kind einen Kaugummi für zwei Pfennig gestohlen habe, dann habe ich auch als Erwachsener, dreissig oder vierzig Jahre später, kein schlechtes Gewissen mehr deswegen. Es ist einfach vergessen. Vielleicht werde ich mal damit konfrontiert. Weil mein eigenes Kind einen Kaugummi gestohlen hat. Ich erkläre meinem Kind das man das nicht tun darf. Das man Mein und Dein unterscheiden muss. Reagiere auf meine Art darauf - vielleicht mit Gesprächen, vielleicht mit Bestrafung - und gut ist.

Wenn ich den Kaugummidiebstahl als Kind aber nur verdrängt habe, dann ist er noch irgendwo in mir. Und wenn dann mein Kind stiehlt, dann kommt er wieder hoch. Ich habe ein schlechtes Gewissen wenn ich mit meinem Kind schimpfe, weil ich das ja selbst auch mal gemacht habe. Also schimpfe ich nicht wirklich. Ich versuche das Kind zu verstehen, frage mich warum es das getan hat. Auch... getan hat. Ich mache mir meine Gedanken darüber ob das vielleicht in den Genen liegen kann die ich an es weitergegeben habe. Usw.. usw... ich geben dem Diebstahl meines Kindes, viel mehr Raum als der, der seinen eigenen Diebstahl vergessen hat. Und in Gedanken sehe ich immer wieder mich als Kind, wie ich den Kaugummi nahm. Was ich vorher dachte, dabei empfand, nachher durchlitt. Aber gleichzeitig, bevor diese Konfrontation, und somit das Bewusstwerden meines Diebstahls da war, ist es in all den Jahren immer wieder passiert, das mit dem eigenen Diebstahl zusammenhängt. Sei es das ich fanatischer Anti-Diebstahl-Gegner wurde. Sei es das ich beim Einkaufen unbewusst alle meine Einkäufe so penibel sichtbar in den Einkaufskorb lege. Sei es das ich meine Handtasche nie mit ins Einkaufscenter nehme, damit niemand auf die Idee kommt das ich da was reinstecken könnte ohne zu bezahlen. Das ist Vedrängung...

Gut, einige schlaue und studierte Menschen werden jetzt sicher sagen, das man Vergewaltigung nicht mit Kaugummidiebstahl vergleichen kann. Stimmt, kann man nicht. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Ich schiebe etwas weit in mich zurück, um mich nicht damit beschäftigen zu müssen. Egal aus welchen Gründen. Bei Missbrauch ist es - denke ich - mehr ein Selbstschutz. Weil man sonst durchdrehen würde. Multiple Persönlichkeiten zum Beispiel ( auch wieder "nur" meine Meinung ) können nicht verdrängen. Deshalb erschaffen sie immer neue Personen in sich, die vergessen können. Weil sie nicht bewusst erlebt haben, was eigentlich verdrängt werden sollte. Aber das ist ein anderes Thema..

Ich konnte den Ursprung, meinen Missbrauch, verdrängen. Aber die Folgen davon waren da. Ich wusste aber nicht das es Folgen davon sind. Ich habe registriert (und mich selbst deswegen oft für verrückt erklärt) das ich unnormal oft und unnatürlich heiss dusche. Aber ich wusste nicht warum. Das war einfach so. Ich musste es eben tun. Mein Schlafdefizit war einfach so. Ich konnte eben nicht lange schlafen. Warum? Wusste ich nicht. Ich war eben - meiner Meinung nach - ein Nachtmensch. Die Unfähigkeit vertrauen zu können schrieb ich meiner mangelnden Menschenkenntnis, meiner Jugend zu. Meine Angst vor meinem Stiefvater, das Unwohlsein wenn ich mal "nach Hause" musste, schob ich auf unsere, auch ohne Missbrauch, nicht gerade schöne, Kindheit. Für alles hatte ich irgendwie eine Erklärung, oder ich ignorierte es einfach. Das das die Folgen von meinem Erlebten waren lernte ich erst zu erkennen, als mir klar wurde was ich erlebt habe. Mein Unterbewusstsein schaltete diesen Schutz für mich ein. Ohne diesen Mechanismus hätte ich es nicht überleben können. Wobei "überleben" sich nicht nur auf körperlichen Tod bezieht.

Hätte ich alles vergessen gehabt, hätte ich nachts geschlafen wie jeder andere auch. Wären keine heissen Duschen nötig gewesen. Würde ich Beziehungen so führen können, wie es die Normalität eigentlich vorschreibt. Vergessen oder Verdrängung - ein kleiner Unterschied auf den ersten Blick... aber eben nur auf den ersten...

Verdrängung ist etwas, das in vielen Formen auftaucht. Auch Dissozation sehe ich als eine Form der Verdrängung. In dem ich mich abspalten kann von meinen Gefühlen, Empfindungen, Schmerzen u.ä. - indem verdränge ich sie. Für eine Weile. Ich spalte mich ab und spüre nichts mehr. Aber doch sind die Schmerzen da. Ich habe sie nicht vergessen. Nur für eine Weile "auf die Seite gelegt".

Und wenn einige schlaue und studierte Menschen meinen, das es das nicht geben kann, dann haben sie vielleicht etwas vergessen. Weil sie nicht die Fähigkeit haben damit fertig zu werden, wenn es wieder hochkommen könnte ;-)